US-Präsident Joe Biden | dpa

Drohnenangriff in Afghanistan USA verkünden Tötung von Al-Kaida-Chef

Stand: 02.08.2022 02:44 Uhr

Schwerer Schlag gegen Al-Kaida: Die USA haben den Anführer der Terrororganisation, al-Sawahiri, bei einem Drohnenangriff in Afghanistan getötet. Er galt als eine zentrale Figur hinter den Anschlägen vom 11. September 2001.

Der Anführer des Terrornetzwerks Al-Kaida, Aiman al-Sawahiri, ist bei einem Anti-Terror-Einsatz der USA in Afghanistan getötet worden. Al-Sawahiri sei am Wochenende bei einem gezielten Drohnenangriff in einem Unterschlupf in der afghanischen Hauptstadt Kabul ums Leben gekommen, sagte eine ranghohe Vertreterin der US-Regierung.

Präsident Joe Biden sagte: "Jetzt wurde der Gerechtigkeit Genüge getan. Und diesen Terroristenführer gibt es nicht mehr." Biden äußerte sich bei einer Ansprache auf einem Balkon des Weißen Hauses. Er befindet sich derzeit wegen einer Infektion mit dem Coronavirus in Isolation.

Der Ägypter al-Sawahiri war der Nachfolger von Osama bin Laden, der als Kopf der Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA galt. Bin Laden war 2011 in Pakistan von einer US-Spezialeinheit getötet worden. Nun schalteten die Amerikaner auch al-Sawahiri aus - in Afghanistan, ein Jahr nach dem chaotischen Truppenabzug aus dem Land.

Der US-Präsident wertete al-Sawahiris Tod nun als Beleg dafür, dass es auch ohne Tausende Soldaten auf afghanischem Boden möglich sei, Amerika vor Terroristen zu schützen. Der Schlag sei außerdem eine Botschaft an andere: "Egal, wie lange es dauert, egal, wo ihr euch versteckt: Wenn ihr eine Bedrohung für unser Volk seid, werden die Vereinigten Staaten euch finden und euch ausschalten."

Al-Kaida-Chef bin Laden und sein Stellvertreter Sawahiri (rechts) gemeinsam an einem unbekannten Ort in Afghanistan. Aufgenommen am 08.11.2001. | dpa

Al-Sawahiri (rechts) galt als Nachfolger von Al-Kaida-Chef bin Laden (links). Bild: dpa

USA: Taliban wussten von Aufenthaltsort

Nach Angaben der US-Regierung sei die Attacke auf al-Sawahiri über Monate vorbereitet worden. Er sei schließlich getötet worden, als er auf den Balkon seines Unterschlupfes in Kabul getreten sei. Zivile Opfer habe es nicht gegeben, nach US-Erkenntnissen sei lediglich al-Sawahiri bei der Attacke ums Leben gekommen, so die Regierungssprecherin. Bei dem Einsatz seien auch keine US-Kräfte in Kabul gewesen.

Sie betonte, US-Erkenntnissen zufolge hätten Mitglieder der Taliban-Führung gewusst, dass sich der Al-Kaida-Chef in Kabul aufhielt. Sie hätten damit klar gegen Vereinbarungen mit den USA verstoßen.

Al-Sawahiri sei in der Zeit der Anschläge vom 11. September 2001 Bin Ladens Stellvertreter gewesen und nach dessen Tod an seine Stelle aufgerückt, sagte sie weiter. Der 71-Jährige sei der ranghöchste Anführer Al-Kaidas gewesen, habe weiter zu Anschlägen gegen die USA aufgerufen und so eine Bedrohung dargestellt. Sein Tod sei ein schwerer Schlag für die Terrorgruppe.

Letzter öffentlicher Auftritt im September 2021

Seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte al-Sawahiri im vergangenen September - genau 20 Jahre nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001. In einer Videobotschaft rief er seine Anhänger damals auf, die Staaten im Westen und ihre Verbündeten im Nahen Osten zu bekämpfen.

In den Jahren davor hatte es unbestätigte Gerüchte über seinen Tod gegeben. Sein genauer Aufenthaltsort war unbekannt. Auch über seinen Gesundheitszustand wurde gerätselt. Medien berichteten 2019 unter Berufung auf Geheimdienstinformationen, Sawahiri leide unter Herzproblemen. Seine Tötung kam nun überraschend.

Die USA hatten ein Kopfgeld von 25 Millionen Dollar (rund 24,4 Millionen Euro) auf ihn ausgesetzt. Experten hatten zuletzt vermutet, dass sich al-Sawahiri im Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan versteckt.

Taliban sprechen von Angriff auf Wohnviertel

Die radikalislamischen Taliban warfen den USA einen Drohnenangriff auf ein Wohnviertel in Kabul vor. Am Sonntag sei dort ein Haus beschossen worden, sagte der Sprecher der Extremisten, Sabihullah Mutschahid. Die Taliban verurteilten den Angriff als Bruch internationaler Prinzipien und des Vertrages zum Abzug der US-Truppen aus Afghanistan.

Die Taliban hatten im vergangenen Sommer Afghanistan vollständig eingenommen. Die USA und ihre Verbündeten verließen damals nach jahrelangem Militäreinsatz das Land. Die Taliban-Regierung wird international nicht anerkannt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. August 2022 um 07:30 Uhr.