Kabul | EPA

Kabul US-Militär fliegt Luftangriff gegen IS

Stand: 30.08.2021 04:33 Uhr

Die USA haben nach eigenen Angaben vermutlich einen weiteren Anschlag der Terrormiliz IS in Afghanistans Hauptstadt Kabul verhindert. Ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug sei mithilfe einer Drohne gesprengt worden.

Das US-Militär hat nach eigenen Angaben in der afghanischen Hauptstadt Kabul einen Luftangriff durchgeführt, um eine "unmittelbare Bedrohung" für den Flughafenbetrieb durch Terroristen abzuwenden. Eine Drohne habe erfolgreich auf ein Auto des örtlichen Ablegers der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) gefeuert, erklärte ein Sprecher des US-Militärs. Weil es nach dem Raketeneinschlag zu "bedeutenden sekundären Explosionen" kam, sei davon auszugehen, dass in dem Fahrzeug eine große Menge Sprengstoff gewesen sein müsse, hieß es weiter.

Ein Taliban-Sprecher sagte, in dem Auto hätten mutmaßliche IS-Mitglieder gesessen, die auf dem Weg zum Flughafen waren. Bei einem möglichen zweiten Angriff sei ein nahe gelegenes Haus getroffen worden. Afghanischen Medien zufolge wurden bei dem Drohnenangriff möglicherweise auch Zivilisten getötet. Die USA erklärten, dies werde geprüft. In einer Meldung der Nachrichtenagentur AP hatte es geheißen, es sei ein Kind getötet worden.

Die US-Drohnenattacke war die zweite seit dem Selbstmordanschlag am Flughafen am Donnerstag. Erst am Samstag hatten die USA bei einem ähnlichen Angriff nach Pentagon-Angaben in der Provinz Nangarhar zwei IS-Mitglieder getötet. Einer der beiden sei mutmaßlich an Anschlagsplänen gegen die USA in Kabul beteiligt gewesen, hieß es.

Biden warnt vor weiteren Anschlägen

Am Donnerstag waren bei einem Anschlag der Terrormiliz IS am Flughafen Kabul mindestens 13 US-Soldaten - und -soldatinnen sowie zwei Briten ums Leben gekommen. Die Angaben über die afghanischen Todesopfer schwanken, Sender wie CNN sprachen von bis zu 200 Toten.

US-Präsident Joe Biden warnte am Samstag vor einer anhaltend hohen Anschlagsgefahr. Die US-Armeeführung halte einen Anschlag binnen "24 bis 36 Stunden" für "sehr wahrscheinlich". Als Vergeltung für den Anschlag flog die US-Armee in der Nacht zum Samstag einen Drohnenangriff auf den IS-Ableger IS-K. Dabei wurden nach Angaben des Pentagon zwei ranghohe Mitglieder der islamistischen Splittergruppe getötet. Biden kündigte weitere Vergeltungsangriffe an. Es werde nicht seine "letzte" Reaktion auf den schweren Anschlag am Kabuler Flughafen gewesen sein.

Auch die Taliban warnten vor neuen Anschlägen des IS auf den Flughafen von Kabul. Der arabische Sender Al Dschasira berichtete, die Islamisten schätzten die Gefahr als sehr hoch ein.

USA setzen Evakuierungsflüge fort

Die USA setzten unterdessen ihre Evakuierungsflüge fort: Das US-Militär begann mit dem endgültigen Truppenabzug vom Flughafen in Kabul. Die US-Truppen sollen Afghanistan nach dem Willen Bidens bis Dienstag verlassen. Nach der Machtübernahme der Taliban vor etwa zwei Wochen hatten die USA Tausende zusätzliche Soldaten entsandt, um Evakuierungen von US-Staatsbürgern und Ortskräften abzusichern.

Gestern wurden auch die sterblichen Überreste der 13 US-Soldaten in die Vereinigten Staaten geflogen, die beim Selbstmordanschlag am Kabuler Airport getötet worden waren. Das US-Verteidigungsministerium gab die Identität der 13 toten Soldaten bekannt. Es handelte sich um elf Mitglieder der Marines, einen Matrosen der Navy sowie einen Soldat des US-Heeres.

Macron strebt UN-Sicherheitszone in Kabul an

Biden und andere westliche Staats- und Regierungschefs wollen sich um Absprachen mit den Taliban bemühen, um eine Ausreise von Ortskräften auch nach dem Ende der internationalen Evakuierungen zu ermöglichen. Solche Gespräche liefen bereits zwischen Frankreich und der islamistischen Gruppe, sagte Präsident Emmanuel Macron.

Heute wollen UN-Generalsekretär António Guterres und die Vertreter der ständigen Sicherheitsrats-Mitglieder über eine mögliche UN-Sicherheitszone in Kabul sprechen. Frankreich und Großbritannien wollen das im UN-Sicherheitsrat durchsetzen. "Unser Resolutionsentwurf zielt darauf ab, eine Sicherheitszone in Kabul zu definieren, die eine Fortsetzung der humanitären Operationen ermöglicht", sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron der Zeitung "Le Journal du Dimanche". US-Außenminister Antony Blinken will den weiteren Umgang mit Afghanistan unter anderem mit Vertretern Deutschlands, Katars, der Türkei und der EU besprechen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 29. August 2021 um 16:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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Bear9 29.08.2021 • 19:39 Uhr

Explosion in kabul

Was hätten man den tun sollen abwarten bis das Sprengstoff beladener Fahrzeug bis zum Flughafen gekommen wäre und 100 und mehr Menschen in den Tod gerissen hätte. Hier werden alle möglichen Themen erörtert, es fehlt nur noch der Runde Tisch und die Friedenpfeife