Zabihullah Mujahid spricht auf einer Pressekonferenz für die Taliban. | dpa

Weltmächte einigen sich Gemeinsame Linie gegenüber Taliban

Stand: 23.09.2021 08:18 Uhr

Sie fordern eine repräsentative Regierung, Frieden und Stabilität in Afghanistan: Mit einem gemeinsamen Aufruf haben sich fünf Weltmächte an die Taliban gewandt - auch Russland und China sind an Bord.

Die fünf permanenten Mitglieder des UN-Sicherheitsrats haben sich am Rand der UN-Vollversammlung auf eine gemeinsame Linie gegenüber den radikalislamistischen Taliban geeinigt. Die USA, Großbritannien, Frankreich, Russland und China riefen die Taliban nach ihrer Machtübernahme in Afghanistan zur Bildung einer Regierung auf, die "alle Teile der Bevölkerung repräsentiert", wie UN-Generalsekretär António Guterres sagte.

Demnach wollten alle fünf Weltmächte "ein friedliches und stabiles Afghanistan, in dem humanitäre Hilfe ohne Probleme und ohne Diskriminierung verteilt werden kann". Sie streben "ein Afghanistan an, in dem die Rechte von Frauen und Mädchen respektiert werden, ein Afghanistan, das kein Zufluchtsort für den Terrorismus ist", sagte Guterres nach einem Gespräch der Außenminister der fünf Länder in New York.

Wichtige Einigung der fünf Weltmächte

Ein US-Vertreter beschrieb das von der britischen Außenministerin Liz Truss einberufene Treffen als "konstruktiv" und mit "vielen Übereinstimmungen". Der Beamte sagte: "Ich glaube nicht, dass irgendjemand mit der Zusammensetzung dieser Übergangsregierung zufrieden ist, auch nicht die Chinesen".

Die Einigung der fünf Weltmächte ist bedeutsam, da Moskau und Peking sich Ende August noch enthalten hatten, als der Sicherheitsrat eine Resolution über die Erwartungen der internationalen Gemeinschaft an das neue Regime in Kabul verabschiedet hatte.

Ablehnung der Taliban-Übergangsregierung

Die Taliban hatten nach ihrer Machtübernahme in Afghanistan Mitte August die Mitglieder ihrer international nicht anerkannten Übergangsregierung benannt. Darunter war allerdings weder eine Frau, noch ein für Frauenrechte zuständiges Regierungsmitglied. Auch der Forderung anderer Staaten, weitere Bevölkerungsgruppen an der Regierung zu beteiligen, waren die radikalen Islamisten nicht nachgekommen.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hatte dies am Mittwoch erneut kritisiert: "Die Ankündigung einer nicht-inklusiven Regierung war ein taktischer Fehler der Taliban", sagte er in einer Rede vor den Außenministern der Staaten der G20 in New York. "Diese Entscheidung wird es für uns schwieriger machen, mit ihnen Kontakt zu unterhalten", sagte er weiter. "Es ist wichtig, dass sie diese Botschaft von uns allen zu hören bekommen."

Maas bezeichnete Afghanistan als "gewaltigste Herausforderung" der internationalen Gemeinschaft. "Als G20 sollten wir jedoch nicht nur unsere wirtschaftliche Stärke, sondern auch unser politisches Gewicht nutzen, um Einfluss auf die Entscheidungen der neuen Machthaber in Afghanistan zu nehmen", forderte er.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. September 2021 um 08:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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Nettie 23.09.2021 • 21:00 Uhr

@teachers voice, 17:43 re 16:18 Bernd Kevesligeti: Das ist gut!

„Man muss "nur" versuchen, nicht jede Entscheidung zu einem Wettbewerb mit einem Gewinner und einem Verlierer hochzustilisieren. In der Politik gibt es nämlich entweder nur Gewinner oder eben nur Verlierer. Und Verlierer hatten wir zuletzt genügend. Logischerweise auf allen Seiten“ Exakt. Wäre gut für alle, wenn das möglichst jeder möglichst schnell erkennen würde.