Hilfsbedürftige Afghanen harren an der Grenze zum Iran aus (Archivbild). | EPA

Afghanistan UN nehmen Hilfsflüge wieder auf

Stand: 03.09.2021 01:48 Uhr

Die UN haben angekündigt, ihren Flugdienst für humanitäre Hilfen in Afghanistan wieder aufzunehmen. Nach dem Scheitern des internationalen Militäreinsatzes warnen Experten vor einer erhöhten Anschlagsgefahr.

Nach der Machtübernahme der Taliban hat der Flugdienst der Vereinten Nationen wieder Flüge in Afghanistan aufgenommen. UN-Sprecher Stéphane Dujarric sagte, Passagierflugzeuge des Humanitären Flugdienstes (UNHAS) verbänden derzeit die pakistanische Hauptstadt Islamabad mit Masar-i-Sharif im Norden und Kandahar im Süden Afghanistans. Zusätzlich werde eine Luftbrücke für Fracht wie beispielsweise medizinische und andere Hilfsgüter eingerichtet.

Dujarric sagte, sobald es die Sicherheits- und die Finanzierungslage erlaubten, wolle der vom Welternährungsprogramm WFP betriebene Flugdienst wieder mehr als 20 Ziele in Afghanistan anfliegen - wie in der Vergangenheit. Mit den UNHAS-Verbindungen solle mehr als 160 Hilfsorganisationen ermöglicht werden, ihre lebensrettenden Aktivitäten in den afghanischen Provinzen fortzusetzen.

Flughafen von Kabul seit Einsatzende nicht mehr in Betrieb

Der internationale Militäreinsatz in Afghanistan war in dieser Woche nach fast 20 Jahren beendet worden. Die letzten US-Truppen flogen in der Nacht zu Dienstag aus Kabul ab. Danach übernahmen die militant-islamistischen Taliban den Flughafen, der bis zuletzt von US-Soldaten gesichert war. Der Flughafen ist seitdem nicht mehr in Betrieb.

International laufen Bemühungen, wieder Flüge nach Kabul zu ermöglichen, um ausländische Staatsbürger und andere Schutzsuchende aus dem Land auszufliegen.

Experte sieht erhöhte Anschlaggefahr

Nach dem Scheitern des internationalen Militäreinsatzes in Afghanistan sieht der Terrorismusexperte Peter Neumann zudem eine erhöhte Anschlagsgefahr heraufziehen. "Für die Dschihadistenszene ist das, was aktuell in Afghanistan passiert, ein großer Schub", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Es wird auch schon propagandistisch ausgeschlachtet. Nach dem Motto: Das ist ein großer Sieg. Wenn die Taliban das können, dann kannst Du das auch."

Dies sei ein wichtiger psychologischer Effekt, denn für die Dschihadisten habe es seit Jahren keine großen Erfolge mehr gegeben. "Jetzt geht wieder so eine Art Ruck durch die Szene. Das kann auf potenzielle Einzeltäter durchaus animierend wirken und soll es auch. Deswegen gibt es tatsächlich eine leicht erhöhte Terrorgefahr."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. September 2021 um 07:30 Uhr.