Taliban-Kämpfer in Kabul | AP

Taliban in Afghanistan UN kritisieren Menschenrechtsverletzungen

Stand: 24.08.2021 11:12 Uhr

Nach außen geben sich die Taliban gemäßigt - doch nun berichten die UN über schwere Menschenrechtsverletzungen. Es gebe glaubhafte Aussagen über Massenhinrichtungen von Zivilisten. Es sind nicht die ersten Berichte dieser Art.

Nach der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan werden schwere Verletzungen von Menschenrechten aus dem Krisenstaat gemeldet. Darüber berichtete die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, bei einer Sondersitzung des UN-Menschenrechtsrats in Genf.

Nach diesen Berichten gab es etwa Massenhinrichtungen von Zivilisten und ehemaligen Angehörigen der afghanischen Sicherheitskräfte. Weiter sagte Bachelet, der Bewegungsspielraum von Frauen sei in manchen Regionen eingeschränkt worden, Mädchen dürften teils nicht mehr zur Schule gehen. Friedliche Proteste würden unterdrückt und Minderjährige zum Waffendienst geholt.

"Glaubhafte Berichte"

Die Berichte seien glaubhaft, betonte sie. "Es bestehen gravierende Risiken für Frauen, Journalisten und die neue Generation von Leitfiguren der Zivilgesellschaft, die in den vergangenen Jahren in Erscheinung traten", sagte Bachelet. "Afghanistans unterschiedliche ethnische und religiöse Minderheiten sind ebenfalls der Gefahr von Gewalt und Unterdrückung ausgesetzt, bedenkt man die schweren Menschenrechtsverletzungen unter den Taliban in der Vergangenheit und Berichte über Tötungen und gezielte Anschläge in den letzten Monaten."

Der UN-Menschenrechtsrat beschäftigt sich regelmäßig mit der Menschenrechtslage in aller Welt und beruft bei Bedarf Sondersitzungen ein. Er kann eine Resolution verabschieden oder Untersuchungskommissionen einrichten. Er besteht aus 47 Ländern, die von der UN-Generalversammlung für jeweils drei Jahre bestimmt werden. Darunter ist zur Zeit auch Deutschland.

Human Rights Watch: Hinrichtungen in Provinzen

Auch der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) liegen nach eigenen Angaben Berichte über "standrechtliche Hinrichtungen" durch die Taliban vor. Bei den mutmaßlichen Opfern handele es sich um frühere afghanische Regierungsmitarbeiter und Sicherheitskräfte, sagte die Vizedirektorin für HRW in Asien, Patricia Gossman. Viele dieser Vorfälle fänden den Erkenntnissen zufolge außerhalb der Hauptstadt Kabul in den afghanischen Provinzen statt. Die Taliban hatten nach ihrer Machtübernahme eigentlich eine generelle Amnestie zugesagt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. August 2021 um 14:00 Uhr.