Sergej Lawrow | AFP

Russland legt nach Moskau wirft Israel Nazi-Unterstützung vor

Stand: 03.05.2022 14:31 Uhr

Nach der scharfen Kritik Israels wegen des Hitler-Vergleichs von Außenminister Lawrow legt Russland noch einmal nach: Israel unterstütze aktiv das "Neonazi-Regime in Kiew", hieß es aus dem russischen Außenministerium.

Die Empörung war groß, als Russlands Außenminister Sergej Lawrow am Sonntagabend im italienischen Fernsehen - wieder einmal - die offizielle russische Kriegsbegründung wiederholte: In der Ukraine seien Nazis am Werk - die Russland stoppen müsse. Das Argument, der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sei selbst Jude, ließ Lawrow nicht gelten. Schließlich sei seines Wissens nach auch Hitler Jude gewesen - insofern sei Selenskyjs Abstammung kein Argument, fabulierte der russische Außenminister.

Ganz besonders in Israel schlug der Hitler-Vergleich hohe Wellen. Der russische Botschafter wurde einbestellt, Ministerpräsident Naftali Bennett - bislang darauf bedacht, Russland wegen seiner Rolle im benachbarten Syrien nicht zu verprellen - reagierte mit ungewohnter Schärfe: Lawrow habe "den Juden selbst vorgeworfen, die schrecklichsten Verbrechen der Geschichte" begangen zu haben, die gegen sie verübt worden seien, so Bennett.

Lawrow allerdings ficht das nicht an. Er warf Israel in einer Reaktion auf die Rüge vor, "das Neonazi-Regime in Kiew" zu unterstützen. "Die Geschichte kennt leider tragische Beispiele der Zusammenarbeit zwischen Juden und Nazis", hieß es aus dem russischen Außenministerium. Die jüdische Abstammung von Selenskyj sei "keine Garantie" gegen Neo-Nazismus in der Ukraine.

Internationale Empörung

Der ukrainische Präsident Selenskyj bezeichnete die Äußerungen Lawrows als "antisemitisch" und sagte, sie zeigten, dass Russland "alle Lektionen des Zweiten Weltkriegs vergessen" habe. Es sei "kein Zufall", dass Russland einen "sogenannten totalen Krieg" führe, um "alles Lebendige zu vernichten". Auch die Bundesregierung zeigte sich empört über Lawrows ursprünglichen Hitler-Vergleich und sprach von "absurden Äußerungen" und "infamen Lügen".

Kritik an TV-Sender

Auch der italienische Sender Rete 4, der Lawrow zur besten Sendezeit die Bühne für seine Anschuldigungen bereitete, steht in der Kritik. Der italienische Ministerpräsident Mario Draghi kritisierte, Lawrow habe ungehindert sprechen können, ohne Widerspruch zu erhalten. Der Auftritt sei als Interview angekündigt gewesen. "Tatsächlich war es eine Wahlkampfveranstaltung", sagte Draghi. Das sei nicht besonders professionell gewesen und werfe "merkwürdige Fragen" auf.

Rete 4 gehört zur Mediaset-Gruppe des früheren italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, einem langjährigen Freund des russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 02. Mai 2022 um 11:30 Uhr.