Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. | via REUTERS

Nach Tötung von 13 Türken im Irak Türkei geht gegen mutmaßliche PKK-Aktivisten vor

Stand: 15.02.2021 18:29 Uhr

Nach der Tötung von 13 Türken im Norden Iraks hat die türkische Polizei mehr als 700 Personen wegen mutmaßlicher Kontakte zu kurdischen Aktivisten festgenommen. Darunter sind führende Vertreter der pro-kurdischen HDP.

Die Polizei in der Türkei hat mehr als 700 Menschen wegen mutmaßlicher Kontakte zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei (PKK) festgenommen. Das türkische Innenministerium teilte mit, unter den Festgenommenen seien auch führende Vertreter der pro-kurdischen HDP. Die Partei ist die zweitgrößte türkische Oppositionspartei.

Türkei wirft PKK Tötung von 13 Türken vor

Die Türkei begründet die Verhaftungswelle mit der mutmaßlichen Tötung von 13 Türken im Nordirak. Die Regierung in Ankara wirft der PKK vor, die 13 Gefangenen "exekutiert" zu haben. Die PKK weist dies zurück. Vielmehr seien die 13 bei einem türkischen Bombenangriff im Irak getötet worden. Bei den meisten Getöteten handelte es sich um Soldaten und Polizisten, die 2015 und 2016 von der PKK entführt worden waren.

Nach Angaben der Türkei wurden die Toten vergangene Woche bei einer Militäroperation gefunden, die die Befreiung der 13 Geiseln zum Ziel gehabt hätte. Zwölf Opfern sei in den Kopf geschossen worden, eines sei infolge einer Schussverletzung an der Schulter gestorben, teilte das türkische Verteidigungsministerium mit. Die Opfer sollen in den vergangenen Jahren in der Türkei von kurdischen Aufständischen entführt worden sein.

Türkei ließ US-Botschafter einbestellen

Auch die USA machen die PKK für die Tötung der 13 Türken verantwortlich. Außenminister Antony Blinken habe in einem Telefonat mit seinem türkischen Kollegen Mevlüt Çavuşoğlu seine Anteilnahme bekundet und betont, dass nach Ansicht seiner Regierung "PKK-Terroristen" die Verantwortung für den Tod der Geiseln tragen, erklärte ein Sprecher des Ministeriums. Blinken habe die Bedeutung der Beziehungen beider Länder und das gemeinsame Interesse im Kampf gegen den Terrorismus hervorgehoben. 

Zwischenzeitlich hatte der Vorfall für Streit zwischen Ankara und der US-Regierung von Präsident Joe Biden gesorgt. Denn die USA wollten die Angaben der Türkei zu den Geschehnissen zunächst nicht bestätigen. Daraufhin warf Erdogan den USA vor, "Terroristen" zu unterstützen und ließ den US-Botschafter einbestellen.

Militäroperation wirft Fragen auf

Der deutsch-türkische Jurist und Abgeordnete Mustafa Yeneroğlu der Partei Demokrasi ve Atılım Partisi ließ angesichts der Militäroperation dem türkischen Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu einen Fragenkatalog zukommen. Er wundere sich unter anderem, warum das türkische Verteidigungsministerium die toten Soldaten zunächst als "zivile Bürger" bezeichnet habe.

Zudem frage er sich, weshalb bei der angeblichen Befreiungsoperation der Geiseln der Überraschungseffekt durch Luftangriffe verringert worden wäre. Für ihn blieben die politischen und militärischen Ziele der Militäroperation unklar.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Februar 2021 um 19:00 Uhr.