Menschen betrachten im Dorf Taql Baql in der Provinz Hasakeh (Syrien) eine Stelle, die durch türkische Luftangriffe beschädigt wurde. | AP

Militäroffensive der Türkei Rund 500 kurdische Ziele attackiert

Stand: 23.11.2022 13:10 Uhr

Die Türkei geht weiter hart gegen kurdische Stellungen in Syrien und im Irak vor. Seit Sonntag wurden nach eigenen Angaben bereits Hunderte Ziele angegriffen. Auch die Hochburg Kobane stand unter Artilleriebeschuss.

Die Türkei hat eigenen Angaben zufolge seit Sonntag beinahe 500 kurdische Ziele im Irak und in Syrien aus der Luft angegriffen. "Bisher wurden 471 Ziele getroffen und 254 Terroristen neutralisiert", sagte Verteidigungsminister Hulusi Akar laut staatlicher Nachrichtenagentur Anadolu. 

Die Türkei hatte am Sonntag eine Militäroffensive gegen kurdische Einheiten in Nordsyrien begonnen. Die Luftangriffe richteten sich demnach gegen Stützpunkte der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und der YPG, welche die Türkei als syrischen Ableger der PKK ansieht. Von den USA wird die YPG, die bei der Vertreibung der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) aus Syrien eine große Rolle spielte, dagegen unterstützt.

Die türkische Offensive in Syrien begann wenige Tage nach einem Anschlag in Istanbul mit sechs Toten, für den Ankara der PKK die Schuld gab. Die verbotene Arbeiterpartei und die syrischen Kurden weisen jegliche Verwicklung in den Anschlag zurück.

Aktivisten: Fünf Zivilisten bei Raketenangriff getötet

Am Dienstag kamen nach Angaben von Aktivisten im Nordwesten Syriens fünf Zivilisten ums Leben. Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte, wurde die Stadt Asas, die von mit der Türkei verbündeten syrischen Rebellen kontrolliert wird, mit Raketen beschossen. Dabei seien fünf Menschen getötet worden, darunter auch ein Kind. Drei weitere Menschen seien verletzt worden.

Unter anhaltendem türkischem Artilleriebeschuss stand am gestrigen Abend die nordsyrische Stadt Kobane, die als Hochburg der YPG gilt. Türkische Drohnen attackierten auch ein kleines Ölfeld nahe der Grenzstadt al-Kahtanija, wie ein AFP-Korrespondent berichtete.

Zuvor hatte ein türkischer Drohnenangriff einen Stützpunkt im Nordosten Syriens getroffen, der sowohl von kurdischen Einheiten als auch von einer US-geführten Koalition genutzt wird, wie die Kurden und die Beobachtungsstelle mitteilten. Nach Angaben des von kurdischen Einheiten angeführten Militärbündnisses SDF wurden dabei zwei SDF-Kämpfer getötet. US-Soldaten waren nach Angaben des Zentralkommandos der US-Armee (Centcom) nicht in Gefahr.

Trümmer liegen auf einer Straße in der Stadt Azaz (Syrien). | AFP

Trümmer liegen auf einer Straße in der Stadt Asas (Syrien). Bild: AFP

Erdogan untermauert Drohung mit Bodenoffensive

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan untermauerte nun seine Drohung mit einer Bodenoffensive gegen kurdische Milizen in Syrien vorzugehen, ließ aber den Zeitpunkt des Beginns offen. "Wir setzen den Einsatz aus der Luft fort und werden zum für uns günstigsten Zeitpunkt von Land aus hart gegen die Terroristen vorgehen", sagte Erdogan in einer Rede vor den Abgeordneten seiner AKP-Partei. Das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Die Türkei sei entschlossener denn je, ihre südliche Grenze mit einem Sicherheitskorridor abzusichern. Die territoriale Integrität Syriens werde dabei berücksichtigt, ebenso wie die des Irak.

Russland forderte die Türkei hingegen auf, von einer umfassende Bodenoffensive in Syrien abzusehen. "Wir hoffen, dass unsere Argumente in Ankara gehört werden und andere Wege zur Lösung des Problems gefunden werden", sagte der russische Unterhändler Alexander Lawrentjew nach einer weiteren Runde von Syrien-Gesprächen mit türkischen und iranischen Delegationen in Kasachstan. Auch die USA hatten zur Zurückhaltung aufgerufen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. November 2022 um 12:00 Uhr in den Nachrichten.