Menschen in Tokio gehen an einem Schild vorbei, das an Abstandhalten erinnert | AFP

Coronavirus-Pandemie Neuinfektionen in Tokio auf Höchststand

Stand: 27.07.2021 12:46 Uhr

In der Olympia-Stadt Tokio ist die Zahl der Corona-Neuinfektionen auf den höchsten Stand seit Pandemie-Beginn gestiegen. Die Behörden melden fast 3000 Fälle. Ein Grund dafür ist auch die Corona-Müdigkeit der Bevölkerung.

In der Olympia-Stadt Tokio ist die Zahl der täglichen Corona-Neuinfektionen auf den höchsten Wert seit Beginn der Pandemie gestiegen. Insgesamt seien zuletzt 2848 neue Fälle binnen 24 Stunden erfasst worden, teilten die Behörden mit. Am Vortag waren es 1429 Fälle, fast doppelt so viele wie noch vor einer Woche.

Experten hatten schon vor dem Beginn der Spiele gewarnt, dass die Neuinfektionen während der Wettkämpfe binnen eines Tages auf über 3000 steigen könnten. Die Lage könnte "kritisch" werden, hieß es. Die Krankenhäuser bereiteten sich bereits auf die Aufnahme zusätzlicher Covid-19-Erkrankter vor. Die Zahl der Betten für diese Fälle soll um etwa 440 auf 6400 erhöht werden, berichtete der Sender TBS.

Ministerpräsident Suga ruft zu Homeoffice auf

Japans Ministerpräsident Yoshihide Suga erklärte, die neue Lage stelle kein Problem für die Olympischen Spiele dar. Er rief allerdings die Menschen in Tokio auf, von zu Hause aus zu arbeiten, um kein unnötiges Infektionsrisiko einzugehen.

Denn ohnehin in Teilen der Bevölkerung umstrittenen Olympischen Spielen droht nun weitere Kritik. Die Wettkämpfe waren wegen der Pandemie bereits um ein Jahr verschoben worden. Viele Japanerinnen und Japaner fürchten, das Virus könne durch die Athleten und ihre Begleiter eingeschleppt werden. In einer von der Zeitung "Nikkei" veröffentlichten Umfrage forderten 31 Prozent der Befragten den Abbruch oder die Verschiebung der Spiele.

Stadt im vierten Corona-Notstand

Tokio befindet sich im mittlerweile vierten Corona-Notstand. Nicht die Olympia-Teilnehmer seien das Hauptproblem, hatte der Politikprofessor Koichi Nakano von der Sophia University in Tokio kürzlich Nachrichtenagentur dpa gesagt. Vielmehr sei es der Umstand, dass die Spiele überhaupt stattfinden zu einem Zeitpunkt, da die Bevölkerung über den immer wieder verlängerten Corona-Notstand zunehmend frustriert sei. "Die Leute werden ungeduldig und hören nicht mehr auf die Regierung."

Der frühere Direktor am Institut für das Gesundheitswesen am King's College in London, Kenji Shibuya, führte den Anstieg der Infektionen auf die Verbreitung der hochansteckenden Delta-Variante zurück. Es sei allerdings unmöglich zu bestimmen, wie groß der Anteil der Olympischen Spiele an dieser Entwicklung sei.

Im Impfkampagne im Land lahmt: Nach Zählung der Nachrichtenagentur Reuters haben bislang erst 36 Prozent der Bevölkerung zumindest eine Impfung erhalten. Für die im Vergleich zu anderen Industrieländern schleppende Kampagne wird auch Premierminister Suga verantwortlich gemacht. Seine Popularitätswerte sind auf den niedrigsten Stand seit seinem Amtsantritt im vergangenen September gesunken.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 27. Juli 2021 um 12:40 Uhr.