Menschen versammeln sich vor einer Kindertagesstätte in der Stadt Uthai Sawan. | VIA REUTERS

Thailand Mehr als 30 Tote bei Angriff auf Kindergarten

Stand: 06.10.2022 13:46 Uhr

Bei einem Angriff auf einen Kindergarten im Norden Thailands sind nach Polizeiangaben mehr als 30 Menschen getötet worden, darunter mehr als 20 Kinder. Beim mutmaßlichen Täter handelt es sich um einen früheren Polizisten.

Ein mit einem Messer und Schusswaffen bewaffneter Mann hat laut Polizei eine Kindertagesstätte in Na Klang in der nördlichen thailändischen Provinz Nong Bua Lamphu gestürmt und um sich geschossen. Bei dem Angriff im Norden des Landes seien mindestens 36 Menschen getötet worden, teilte die Polizei mit. Unter den Todesopfern sind 24 Kinder.

"Der Schütze kam um die Mittagszeit herein und erschoss zuerst vier oder fünf Beamte in der Kindertagesstätte", sagte der Bezirksbeamte Jidapa Boonsom gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Unter ihnen sei eine Lehrerin gewesen, die im achten Monat schwanger war. "Zuerst dachten die Leute, es sei ein Feuerwerk", sagte sie. Der Schütze sei dann in einen verschlossenen Raum eingedrungen, in dem Kinder schliefen, sagte Jidapa, um dort Kinder mit einem Messer zu töten.

Mutmaßlicher Täter war früher Polizist

Die meisten Opfer sollen in der Kita gestorben sein, jedoch habe der Täter auch auf der Flucht aus seinem Auto weiter geschossen und Menschen getötet, berichteten thailändische Medien. Insgesamt zwölf Menschen wurden verletzt, einige davon schwer.

Nach Polizeiangaben flüchtete der mutmaßliche Täter nach dem Angriff. Verschiedenen Medienberichten zufolge soll er sich später selbst getötet haben. Zuvor habe er auch seine Frau und sein Kind getötet.

Bei dem mutmaßlichen Täter handelt es sich laut Polizei um einen ehemaligen 34-jährigen Polizisten, der im vergangenen Jahr den Dienst wegen Drogendelikten quittieren musste. Bei ihm sollen zuvor Methamphetamin-Pillen gefunden worden sein. Es gab Spekulationen, ob der Mann bei der Tat unter Drogeneinfluss gestanden haben könnte. Ein Polizeisprecher sagte, möglicherweise seien auch Wut über seine Entlassung und ein gegen ihn laufendes Gerichtsverfahren der Grund für die Tat.

Riesiges Entsetzen im ganzen Land

Ministerpräsident Prayut Chan-o-Cha sagte, der Vorfall sei schockierend und drückte den Familien der Opfer sein Beileid aus. "Ich habe den nationalen Polizeichef angewiesen, in die Region zu reisen, um die rechtlichen Schritte zu beschleunigen, und ich habe alle Beteiligten gebeten, allen Betroffenen dringend zu helfen", erkläre er.

Das Entsetzen im ganzen Land war riesig. Viele User schrieben erschütterte Kommentare in sozialen Netzwerken und drückten den Angehörigen ihr Beileid aus. Unter den Toten sind Kinder im Alter von zwei Jahren. Auf Videos in den sozialen Netzwerken sind Laken zu sehen, die anscheinend Kinderleichen bedecken. Das örtliche Krankenhaus rief zu Blutspenden auf, wie die Zeitung "Khaosod" berichtete.

Obwohl viele Thailänder Waffen besitzen, kommt es in dem Land eher selten zu folgenschweren Angriffen mit Schusswaffen. 2020 tötete ein Soldat bei einem Amoklauf 29 Menschen und verletzte fast doppelt so viele. Auslöser für die Tat war ein fehlgeschlagenes Immobiliengeschäft.

Mit Informationen von Jennifer Johnston, ARD-Studio Singapur

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 06. Oktober 2022 um 10:50 Uhr und 11:00 Uhr.