Taliban-Kämpfer in Kabul | via REUTERS

Beziehungen zu Taliban Merkel will über Ortskräfte verhandeln

Stand: 05.09.2021 17:19 Uhr

Die Taliban wünschen sich stabile Beziehungen zu Deutschland - und Kanzlerin Merkel ist zumindest bereit, mit den radikalen Islamisten über die Ausreise von Ortskräften zu verhandeln. Schließlich hätten die Taliban in Afghanistan Fakten geschaffen.

Wie könnten die Beziehungen Deutschlands zu den radikalislamischen Taliban nach deren Machtübernahme in Afghanistan aussehen? Die Bundesregierung ist, wohl auch, weil sich noch viele ehemalige Ortskräfte in dem Land befinden, zumindest zu Gesprächen bereit.

"Was die Taliban anbelangt, ist es so, dass wir natürlich mit ihnen reden müssen, weil sie jetzt diejenigen sind, die man ansprechen muss", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einer Pressekonferenz mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet. Man wolle, dass Menschen, die insbesondere für deutsche Entwicklungsorganisationen gearbeitet hätten und sich gefährdet fühlten, noch außer Landes gebracht werden könnten, so Merkel.

Auch Laschet vertrat die Meinung, es sei erforderlich, mit den Taliban zu sprechen. Dabei müssten dann klare Bedingungen der internationalen Gemeinschaft formuliert werden, unter denen eine Kooperation möglich sei, sagte er.

Taliban wollen gute Beziehungen

Die Taliban hatten zuvor über ihren Sprecher Sabiullah Mudschahid erklärt, sie wollten eine gute Beziehung zu Deutschland: "Wir wollen starke und offizielle diplomatische Beziehungen zu Deutschland", sagte Mudschahid der "Welt am Sonntag". Demnach wünschen sich die Taliban vor allem finanzielle Unterstützung, humanitäre Hilfe und Kooperation bei Gesundheit, Landwirtschaft und Bildung.

Die Deutschen seien in Afghanistan immer willkommen gewesen, sagte Mudschahid der Zeitung. Schon zu Zeiten des Königreichs vor etwa 100 Jahren hätten die Deutschen in Afghanistan viel Gutes bewirkt. "Leider haben sie sich dann den Amerikanern angeschlossen. Aber das ist jetzt vergeben", sagte Mudschahid.

Wegen Schutzsuchenden auf Gespräche angewiesen

Deutschland ist auf Gespräche mit den Taliban angewiesen, weil es nach dem Ende der militärischen Evakuierungsaktion die Ausreise weiterer Schutzsuchender aus dem Land ermöglichen will. Bundesaußenminister Heiko Maas hatte vor wenigen Tagen gesagt: "Wenn es politisch möglich wäre und wenn die Sicherheitslage es erlaubt, dann sollte auch Deutschland in Kabul wieder eine eigene Botschaft haben." Der SPD-Politiker betonte aber auch, dass eine diplomatische Vertretung keine Anerkennung einer Taliban-Regierung bedeute.

Die EU hatte sich bereits auf Bedingungen an die Taliban für diplomatische Beziehungen und Unterstützung geeinigt.

Die Bundesregierung hatte nach dem Siegeszug der Taliban die Botschaft in Kabul geschlossen. Botschafter Markus Potzel wurde ins katarische Doha entsandt, um dort Gespräche mit den Islamisten zu führen. In der Hauptstadt des Golfemirats betreiben die Taliban ihr politisches Büro, das quasi als Außenministerium fungiert. Allerdings sind schon die ersten Taliban-Vertreter aus Doha nach Afghanistan zurückgekehrt. Daher gibt es die Überlegungen, wie man den "kurzen Draht" zu den neuen Machthabern aufrechterhalten kann.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 05. September 2021 um 09:00 Uhr.