Taiwans Nationalflagge - im Hintergrund eine Flagge der USA | REUTERS

Vor Biden-Inauguration Taiwans nachdenklicher Abschied von Trump

Stand: 20.01.2021 16:27 Uhr

Trump hofierte Taiwan wie kein US-Präsident vor ihm: Er telefonierte mit Präsidentin Tsai und steigerte den Handel - zur Freude vieler Taiwaner. Wie blicken sie auf Bidens Amtseinführung?

Von Kathrin Erdmann, ARD-Studio Tokio

Noch kurz vor dem Machtwechsel in Washington sorgte Außenminister Mike Pompeo für einen Paukenschlag: Es solle keinerlei Beschränkungen mehr für den Regierungsaustausch mit Taiwan geben, erklärte er - und provozierte damit einmal mehr China. Für die Volksrepublik gehört die Insel zum Festland und ist kein eigenständiger Staat.

Kathrin Erdmann ARD-Studio Tokio

Für Lee Cheng-hsiu von der Nationalen Politikstiftung, einer taiwanischen Denkfabrik, steht diese letzte Aktion Pompeos symbolisch für die Amtszeit von Trump. "Die US-amerikanische Außenpolitik der letzten vier Jahre war völlig chaotisch", sagt er. Pompeos Aktionen zeigten, dass er kein klares außenpolitische Konzept gehabt habe. "Unter Trump drohte Taiwan zur Schachfigur im Umgang mit China zu werden."

Natürlich seien die Beziehungen zwischen Washington und Taipeh unter dem Republikaner besser geworden. Mit Hilfe der USA konnte Taiwan seine Verteidigung weiter ausbauen, einige US-Politiker besuchten die Insel. Doch ein echter Durchbruch blieb aus. Den gäbe es erst, wenn Regierungsmitglieder nach Washington reisen könnten.

Biden soll Taiwan nicht in China-Konflikt "hineinziehen"

Die Regierungszeit von Trump war vom Handelskonflikt mit China geprägt. Taiwan profitierte - unter anderem mit seinen Mikrochips und von den veränderten Lieferketten. Lee hofft jedoch, dass Taiwan bei diesem Konflikt, wie auch immer er sich entwickelt, künftig stärker außen vor bleibt.

Taiwan darf nicht zum Spielball zwischen den USA und China werden. Das müssen wir verhindern.

Der Wissenschaftler geht jedoch davon aus, dass seine Insel eher eine Aufwertung erfahren wird. Zum Beispiel in der Weltgesundheitsorganisation (WHO), zu der Taiwan auf Druck von Peking nicht einmal als Beobachter zugelassen ist - obwohl die Welt viel von Taiwan und dessen Umgang mit Covid-19 lernen könnte.

"Biden wird mit China zurückhaltender umgehen, aber auch konsequenter. Er muss Konflikte um Wirtschaftsinteressen, Geistiges Eigentum, Menschenrechte und so weiter lösen", sagt Lee. "Aber ich denke, dass er - anders als Trump - Taiwan nicht ständig mit hineinziehen wird, um China zu provozieren."

"Eine Ära des Wahnsinns geht zu Ende"

Die Erwartungen an den Demokraten sind hoch. Taiwan bemüht sich seit geraumer Zeit um ein Handelsabkommen und ist den USA weit entgegengekommen, indem es seinen Markt trotz heftiger Proteste für US-Schweinefleisch öffnete. Taiwan könne ruhig selbstbewusst auftreten, findet Lee: "Wenn wir schon die Tür öffnen, dann sollten aus den USA auch Taten folgen!"

Protestierende in Taipeh tragen eine aufblasbare Schweinefigur | AP

Die Marktöffnung für Schweinefleisch aus den USA sorgte in Taiwan für heftige Proteste. Bild: AP

Während er, ganz Wissenschaftler, eher pragmatisch an den Machtwechsel in Washington herangeht, gibt es unter Taiwanern gemischte Reaktionen zu dem neuen Mann im Weißen Haus.

So wie bei dieser Rentnerin, die sich als Omi Li vorstellt: "In meinem Freundeskreis war niemand für Biden. Was soll denn an dem gut sein?", schimpft sie. "Der ist zu alt, was soll der denn noch hinkriegen? Ich mache mir Sorgen. Er ist zu nett zu China." Herr Tsang, ein Kaufhausmitarbeiter, meint: "Trump war sehr gut zu Taiwan. Ich hoffe, das wird fortgesetzt."

Ja, Taiwan habe in den vergangenen vier Jahren von den USA viel Aufmerksamkeit erfahren, sagt auch Herr Tschu, ein junger Büroangestellter. Man habe teilweise von Trumps Politik profitiert - "aber langfristig bringt er uns Nachteile", meint er. Und Frau He meint mit Blick auf vier Jahre Trump einfach: "Eine Ära des Wahnsinns geht zu Ende!"