Soldaten während einer militärischen Kommandoübung einer gemeinsamen russisch-tadschikischen Truppe in Kharbmaidon, nahe der Grenze zu Afghanistan. | picture alliance / Nozim Kalanda

Tadschikistan Reservisten sollen Grenze schützen

Stand: 06.07.2021 07:52 Uhr

Mehr als 1000 afghanischen Soldaten waren am Wochenende ins benachbarte Tadschikistan geflohen - wegen Kämpfen mit den Taliban. Nun reagierte Tadschikistan und mobilisierte die Armee, um die Grenze zu schützen.

Angesichts der anhaltenden Kämpfe in Afghanistan zwischen Sicherheitskräften und den radikalislamischen Taliban hat das Nachbarland Tadschikistan 20.000 Militärreservisten zum Schutz der Grenze mobilisiert. Präsident Emomali Rachmon ordnete die Einberufung an, nachdem am Sonntag mehr als 1000 afghanische Sicherheitskräfte vor heranrückenden Taliban über die Grenze geflohen waren.

"Unter Berücksichtigung des Prinzips guter Nachbarschaft" sowie der "Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten Afghanistans" sei den Soldaten der Grenzübertritt gestattet worden. Die Taliban hätten "volle Kontrolle" über sechs Bezirke in der Provinz Badachschan im Nordosten Afghanistans erlangt. 

Telefonat mit Putin

Zudem besprach Rachmon telefonisch die Lage mit Verbündeten in der Region, darunter mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin. Dieser sicherte Tadschikistan nach Angaben des Kreml Unterstützung bei der Grenzsicherung zu, wenn dies nötig sein sollte. Russlands größte Auslandsmilitärbasis liegt in Tadschikistan. Dort sind unter anderem Panzer und Hubschrauber stationiert.

Russland schloss außerdem sein Konsulat im nordafghanischen Masar-i-Scharif wegen der sich verschlechternden Sicherheitslage. Der russische Afghanistan-Gesandte Samir Kabulow sagte der staatlichen Nachrichtenagentur Tass, die Situation verändere sich "schnell". "Die afghanischen Truppen haben zu viele Bezirke aufgegeben. Dies sorgt natürlich für Nervosität", sagte er.

Karte: Tadschikistan mit Duschanbe und Afghanistan mit Kundus

Die ehemalige Sowjetrepublik Tadschikistan grenzt im Süden an Afghanistan.

Neben Russland hätten weitere Staaten ihren Konsularbetrieb in Masar-i-Scharif eingestellt oder eingeschränkt, hieß es in Medienberichten. Genannt wurden die Türkei, der Iran, Usbekistan, Tadschikistan, Indien und Pakistan. Aus Masar-i-Scharif waren erst Ende Juni die letzten Bundeswehrsoldaten nach Deutschland zurückgekehrt.

Gebietsgewinne der Taliban

Im Norden Afghanistans erzielten die Taliban am Wochenende bedeutende Gebietsgewinne. Die Provinzen Badachschan und Tachar wurden fast vollständig von den Radikalislamisten erobert - nur noch in den Provinzhauptstädten liegt die Kontrolle bei den afghanischen Streitkräften. Berichten zufolge gelang den Taliban zudem die Einnahme von strategisch wichtigen Bezirken außerhalb der südafghanischen Großstadt Kandahar sowie in der Provinz Helmand - beides traditionell Hochburgen der Radikalislamisten.

Die Einnahme weiter Teile von Badachschan und Tachar bedeutet für die afghanischen Streitkräfte eine dramatische Niederlage von hoher symbolischer Bedeutung. Beide Provinzen galten während des blutigen Bürgerkriegs in den 1990er Jahren als zentrale Bollwerke der gegen die Taliban agierenden Nordallianz. 

Zugleich stellten die Taliban einen schriftlichen Friedensplan für die Verhandlungen mit der afghanischen Regierung in Aussicht. Die Gespräche würden beschleunigt und könnten nun in eine wichtige Phase eintreten. Dabei gehe es auch um Friedenspläne. Es könne allerdings noch einen Monat dauern, bis beide Seiten soweit seien, ihren schriftlichen Friedensplan zu teilen, sagte Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid der Nachrichtenagentur Reuters. Eine Sprecherin der afghanischen Regierung bestätigte, dass die zuletzt auf Eis gelegenen Gespräche wieder aufgenommen worden seien. Sie bezweifelte aber, dass die Taliban schon innerhalb eines Monats einen Friedensplan vorlegen werden.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 06. Juli 2021 um 06:08 Uhr.