Kämpfer der SDF sichern nach einem IS-Angriff die syrische Stadt Al-Hassakah. | EPA

Nach IS-Angriff in Syrien Gefechte rund um Gefängnis dauern an

Stand: 22.01.2022 15:17 Uhr

Im syrischen Al-Hassaka gehen die Gefechte zwischen der Terrormiliz IS und kurdischen Kämpfern weiter. Der IS hatte dort am Donnerstag ein Gefängnis angegriffen. Offenbar wurden bereits fast 80 Menschen getötet.

Auch zwei Tage nach einem Angriff des "Islamischen Staates" (IS) auf ein Gefängnis im syrischen Al-Hassaka dauern die Gefechte in der Stadt weiter an. Dabei stehen sich die Dschihadisten der Terrormiliz und die Kämpfer der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) gegenüber. Letztere werden von den USA durch Luftangriffe unterstützt.

Angaben des SDF-Sprechers Siamand Ali zufolge konzentrierten sich die Kämpfe auf das Gebiet rund um das Gefängnis und auf das Stadtviertel Suhur. Im Gefängnis wird ein kleiner Teil des Gebäudes demnach von randalierenden Häftlingen gehalten.

Laut Zahlen der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien kamen durch die Gefechte bislang mindestens 78 Menschen ums Leben. Darunter seien 45 IS-Anhänger, 28 kurdische Kämpfer und fünf Zivilisten. Syrische Medien berichteten, dass mittlerweile etwa 4000 Menschen in von der syrischen Regierung kontrollierte Teile der Stadt oder Vororte geflohen seien.

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Sie bezeichnet sich als unabhängig. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

Häftlinge können durch Angriff entkommen

Der IS hatte am Donnerstagabend das Gefängnis im von Kurden kontrollierten Nordosten Syriens angegriffen. Dort sind mutmaßliche IS-Kämpfer inhaftiert, darunter auch führende Vertreter der Miliz. Die SDF sprechen von etwa 5000 IS-Anhängern, die derzeit in dem Gefängnis sitzen.

Durch die Attacke des IS konnten mehrere der Häftlinge fliehen, wie viele es genau sind, ist nicht bekannt. Die SDF teilten mit, dass inzwischen zahlreiche Flüchtige wieder gefasst werden konnten. Allein bis Freitag seien fast 90 geflohene Insassen wieder festgenommen worden.

 Festgenommene IS-Kämpfer nach einem Angriff auf das Gweiran-Gefängnis in Al-Hassaka. | dpa

Das Bild zeigt laut SDF entflohene Häftlinge, die wieder festgenommen werden konnten. Bild: dpa

Größter Angriff seit 2019

Laut der Beobachtungsstelle, deren Angaben von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen sind, war es der größte Angriff dieser Art seit der Zerschlagung des "IS-Kalifats" im Jahr 2019. Seitdem tauchten die verbliebenen Kämpfer ab oder zogen sich an entlegenere Orte zurück. Die internationale Anti-IS-Koalition erklärte, die Dschihadistengruppe stelle nach wie vor "eine existentielle Bedrohung" in Syrien dar und es dürfe nicht zugelassen werden, dass die Miliz wieder an Stärke gewinne. 

IS-Kämpfer im Irak vor allem in ländlichen Gebieten

Neben der Attacke auf das Gefängnis hatte der IS eigenen Angaben zufolge am Donnerstag ebenfalls einen Militärstützpunkt im Osten des Irak angegriffen. Dabei wurden elf Soldaten getötet. Die Miliz nahm die Angriffe in Syrien und im Irak über ihr Propaganda-Sprachrohr Amaq für sich in Anspruch. Der IS hatte 2014 weite Teile des Irak und Syriens unter seine Kontrolle gebracht. 2017 erklärte die irakische Regierung ihren Sieg über die extremistische Gruppierung.

Kleinere Gruppen von IS-Kämpfern sind aber vor allem in den ländlichen Gebieten nördlich von Bagdad und in den Provinzen Dijala und Salaheddin weiterhin aktiv. In einem UN-Bericht aus dem vergangenen Jahr wurde die Zahl der noch aktiven IS-Kämpfer im Irak und in Syrien auf insgesamt 10.000 veranschlagt.

Die IS-Präsenz im Osten Syriens, an der Grenze zum Irak, erstreckt sich vor allem auf Wüstengebiete, die unter halbautonomer kurdischer Verwaltung stehen. Bis 2017 stützte sich der Irak auf die von den USA angeführte Militärallianz, um den IS zu bekämpfen. Doch inzwischen muss die Regierung in Bagdad diese Aufgabe selbst bewältigen, weil die Militärkoalition ihren Kampfeinsatz eingestellt hat. Truppen der Koalition sind noch im Land, aber sie sind nur noch mit Übungs- und Beratungsarbeiten betraut.

Bislang gibt es keine Hinweise darauf, dass es sich bei den Attacken in Syrien und Irak um koordinierte Aktionen handelte. Experten werteten die Angriffe als Teil der Bemühungen des IS, seine Präsenz in beiden Ländern auszubauen.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 22. Januar 2022 um 17:35 Uhr.