Yoon Suk Yeol hebt während seiner Vereidigung die rechte Hand. | AP

Südkoreas neuer Präsident Yoon Angebot an Nordkorea - mit Bedingungen

Stand: 10.05.2022 10:52 Uhr

Südkoreas neuer Präsident Yoon hat Nordkorea in seiner Antrittsrede Wirtschaftshilfen in Aussicht gestellt. Voraussetzung dafür sei eine atomare Abrüstung.

In seiner Antrittsrede hat der neue südkoreanische Präsident Yoon Suk Yeol eine Stärkung der nordkoreanischen Wirtschaft angeboten. Unter einer Bedingung: Nordkorea müsse seine Atomwaffen aufgeben.

Wenn Nordkorea wirklich einen Prozess zur vollständigen Denuklearisierung einleitet, sind wir bereit, mit der internationalen Gemeinschaft zusammenzuarbeiten, um einen kühnen Plan vorzulegen, der die Wirtschaft Nordkoreas erheblich stärken und die Lebensqualität seiner Bevölkerung verbessern wird.

Ähnliche Angebote von Vorgängern Yoons waren von Nordkorea in der Vergangenheit ausgeschlagen worden.

"Vollständige Denuklearisierung" gefordert

Bei der Vereidigungszeremonie vor dem Parlament in Seoul warf Yoon Nordkorea vor, mit seinem Atomwaffenprogramm die Sicherheit in der Region und darüber hinaus zu gefährden. Trotzdem werde "die Tür zum Dialog geöffnet bleiben, so dass wir diese Bedrohung friedlich lösen können".

Wie genau der Plan der neuen Regierung in Seoul für ihr abgeschottetes Nachbarland aussieht, ließ Yoon in seiner Rede offen. Nur so viel wurde klar: Der Plan solle in Kooperation mit der internationalen Staatengemeinschaft ausgearbeitet werden.

Nordkorea hatte in diesem Jahr mehrfach Raketen getestet, die einen atomaren Sprengkopf tragen können - einschließlich einer Interkontinentalrakete. Südkorea und die USA befürchten, dass das abgeschottete Land derzeit auch einen neuen Nukleartest vorbereitet.

Yoon will härteren Nordkorea-Kurs

Yoon hatte bereits im Wahlkampf versprochen, er werde einen härteren Kurs gegenüber Nordkorea einschlagen. Außerdem hatte er schon vor seinem Amtsantritt mit einem Präventivschlag gedroht, sollte es Anzeichen für einen bevorstehenden Angriff Nordkoreas geben.

Der 61-Jährige hatte die Wahl im März als Kandidat der konservativen Opposition mit hauchdünnem Vorsprung vor dem Bewerber der Regierungspartei gewonnen. Der frühere Generalstaatsanwalt tritt die Nachfolge des linksliberalen Präsidenten Moon Jae In an. Yoons Amtszeit beträgt fünf Jahre.

Yoon will Wirtschaft ankurbeln

Abgesehen von seiner Aufforderung an Nordkorea versprach Yoon den Menschen seines Landes, die 70-jährige Militärallianz mit den USA zu stärken und die eigene Raketenkapazität auszubauen, um die Bedrohung durch Nordkorea zu neutralisieren. Yoon thematisierte auch die zunehmenden Wirtschaftsprobleme seines Landes. Er versprach, das Wirtschaftswachstum anzukurbeln und die tiefe politische Spaltung sowie die Einkommensungleichheit zu überwinden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Mai 2022 um 05:00 Uhr.