Lee Yong-soo, eine der Opfer von Zwangsprostitution durch das japanische Militär während des Zweiten Weltkriegs, vor einem Gerichtsgebäude in Seoul. | EPA

Gerichtsurteil in Südkorea Keine weitere Entschädigung für "Trostfrauen"

Stand: 21.04.2021 17:03 Uhr

20 ehemalige Zwangsprostituierte aus Südkorea und deren Angehörige hatten die japanische Regierung auf Schadenersatz verklagt. Das Gericht in Seoul wies die Klage nun zurück - unter Berufung auf die Staatenimmunität.

Ein südkoreanisches Gericht hat eine Klage von früheren Zwangsprostituierten und ihren Angehörigen gegen die japanische Regierung zurückgewiesen. Die 20 Klägerinnen und Käger hatten Schadenersatz für das gefordert, was ihnen durch Soldaten im Zweiten Weltkrieg angetan worden war. Fünf Jahre dauerte dieser Prozess. Japan genieße in dieser Frage "Immunität", hieß es nun in der Erklärung des Gerichts.

Gegenteilige Gerichtsentscheidungen

Erst im Januar hatte ein Gericht in Seoul in einem ähnlichen Fall anders entschieden und den Frauen Recht gegeben. Japan wurde dazu verurteilt, jeder der zwölf damaligen Klägerinnen mehr als 70.000 Euro für das damals erlittene Leid zu zahlen. Die Entscheidung hatte die Gräben zwischen den beiden ostasiatischen Ländern noch vertieft, weil es damals hieß, zum Zwecke der Entschädigung könne auch japanisches Eigentum in Korea beschlagnahmt werden.

Japans Immunität überwiege persönliche Interessen

Zwischen 100.000 und 200.000 Frauen aus Korea und anderen asiatischen Ländern waren im Zweiten Weltkrieg von Japanern zur Prostitution gezwungen worden. Das Bezirksgericht in Seoul kam zu dem Schluss, dass die japanische Regierung "staatliche Souveränität" im Zusammenhang mit der Klage der Betroffenen genieße. Die Immunität des japanischen Staates sei höher anzusehen als das persönliche Interesse der früheren südkoreanischen Zwangsprostituierten. Wenn man beginne, davon abzuweichen, würde dies nur zu diplomatischen Schwierigkeiten führen, so die Richter. Zudem verwiesen sie auf eine Vereinbarung zwischen Südkorea und Japan aus dem Jahr 2015 und darauf, dass einige der Frauen bereits finanziell entschädigt wurden.

Ehemalige südkoreanische Zwangsprostituierte reagierten enttäuscht auf das Urteil. Eine der Klägerinnen, die 92-jährige Lee Yong-soo, nannte den Richterspruch "skandalös" und "absurd". Sie kündigte an, vor den Internationalen Gerichtshof zu ziehen.

Mit Informationen von Kathrin Erdmann, ARD-Studio Tokio

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 08. Januar 2021 um 23:05 Uhr.