Die havarierte MV "X-Press Pearl" | via REUTERS

Havarie vor Sri Lanka "Die Situation hat sich extrem verschlechtert"

Stand: 03.06.2021 13:46 Uhr

Seit fast zwei Wochen brennt die "X-Press Pearl" vor Sri Lankas Hauptstadt Colombo - nun droht sie unterzugehen. Nach Angaben der Umweltbehörde ist es die schlimmste Umweltkatastrophe, die das Land je erlebt hat.

Von Silke Diettrich,  ARD-Studio Neu-Delhi

An Bord des Containerschiffes "X-Press Pearl": tonnenweise Plastikteilchen, ätzende Salpetersäure und Schweröl, die nun die bei Touristen beliebten Strände im Westen Sri Lankas verschmutzen.

Silke Diettrich ARD-Studio Neu-Delhi

Mit Hubschraubern und Löschbooten haben die Einsatzkräfte versucht, das Feuer unter Kontrolle zu bringen. Denn die Ladung auf dem Containerschiff ist hoch gefährlich. Hunderte Tonnen Öl, giftige Chemikalien, darunter tonnenweise Salpetersäure und Plastikgranulat, das an die Strände gespült wurde.

Tote Meerestiere und Mikroplastik

Die Helferinnen und Helfer mussten sich mit Schutzanzügen, Handschuhen und Mundschutz an die Aufräumarbeiten machen. In ihren Tüten haben sie tote Fische, tote Schildkröten und Mikroplastikteilchen. Jetzt aber sei die Bedrohung für die Umwelt noch viel größer, sagt Dr. Ajantah Perera. In Sri Lanka ist die Umweltaktivistin besser bekannt als die "Königin des Mülls".

Das Schiff habe nicht nur die Korallenriffe getroffen, mit dem Frachter seien auch tonnenweise Container untergangen, berichtet Perera. In 80 solcher Container lagerten hoch gefährliche Materialen, die jetzt auf Grund lägen. "An der Oberfläche konnten wir noch handeln, jetzt kommen wir kaum an die Gefahrengüter heran. Die Situation für die Umwelt hat sich wirklich extrem verschlechtert."

Die Vorsitzende der Behörde für die Meeresumwelt in Sri Lanka ist derzeit noch optimistischer. Es gebe zwei Möglichkeiten, so Dharshini Lahandapura. "Entweder das Öl ist schon bei dem Feuer verbrannt worden oder es befindet sich noch in der Schiffsladung. Für den Fall, dass es dann auslaufen sollten, haben wir Vorkehrungen getroffen."

Bug senkt sich langsam ab

Die Marine und die Küstenwache, unterstützt vom Nachbarland Indien, seien auf alles vorbereitet, sagte ein Sprecher der Marine. Die Reederei hat heute mitgeteilt, dass das Heck des Schiffes in 21 Metern Tiefe auf dem Meeresboden liege und der Bug sich langsam absenken würde. Bergungsexperten seien vor Ort, um die Lage zu beobachten. 

Perera erhebt schwere Vorwürfe gegen die Behörden von Sri Lanka. Sie hätten das Containerschiff nie in ihr Gewässer einfahren lassen dürfen, sagt sie, der Inselstaat sei für solche Unfälle nicht ausgerüstet. Jetzt mache man sich große Sorgen um die Langzeitfolgen, so die Umweltaktivistin.

"Das wäre wirklich verheerend"

Wenn die Salpetersäure an Bord die Container verätze, könnten die gefährlichen Chemikalien und das Plastikgranulat in die Lagunen gelangen. "Das sind die wichtigsten Brutstellen für unsere Fische und Garnelen. Das wäre wirklich verheerend." Für die Umwelt, aber auch für die Fischer an der Westküste von Sri Lanka.

Die Behörden von Sri Lanka haben ein Fischfangverbot erlassen. Die Plastikkugeln sind das Ausgangsmaterial für Plastiktüten, sind biologisch nicht abbaubar und könnten nun für immer Teil des Meeres bleiben.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 03. Juni 2021 um 12:00 Uhr.