Bewaffnete srilankische Militärangehörige stehen in der Nähe von Fahrzeugen Wache, die in Brand gesteckt und zurückgelassen wurden. | EPA

Krawalle in Sri Lanka Schießbefehl gegen Randalierer

Stand: 11.05.2022 13:25 Uhr

Tote, Verletzte, zerstörte Gebäude: Angesichts der Unruhen in Sri Lanka hat das Verteidigungsministerium die Sicherheitskräfte angewiesen, auf Menschen zu schießen, die das Eigentum anderer beschädigen oder Leben in Gefahr bringen. 

Nach den tödlichen Ausschreitungen in Sri Lanka haben die Behörden den Schießbefehl erteilt, um weitere Unruhen zu unterdrücken. Die Sicherheitskräfte seien angewiesen worden, auf jeden zu schießen, der öffentliches Eigentum plündere oder Menschenleben gefährde, erklärte das Verteidigungsministerium. Zudem hat die Regierung Panzerfahrzeuge und Soldaten in die Hauptstadt Colombo entsenden lassen. Gepanzerte Lastwagen fuhren durch die Straßen, Soldaten errichteten Kontrollpunkte. Das Militär war auch in anderen Landesteilen im Einsatz.

Zuvor hatte Präsident Gotabaya Rajapaksa auf Twitter zu einem Ende der Gewalt und von Racheakten gegen andere Bürger aufgerufen. Er schrieb, dass alle Bemühungen gemacht würden, politische Stabilität durch Konsens wiederherzustellen, damit so auch die Wirtschaftskrise bewältigt werden könne. Diese Krise hatte zu den andauernden Protesten geführt.

Ausgangssperre gilt bereits

Am Montag war bereits eine Ausgangssperre verhängt worden, der sich die Menschen vielerorts jedoch widersetzten. So schoss die Polizei an zwei Orten in die Luft, um Gruppen von Menschen auseinanderzutreiben, die Fahrzeuge anzünden wollten. Zuvor hatte eine wütenden Menschenmenge ein Fahrzeug angegriffen und in Brand gesetzt, in dem der ranghöchste Polizist der Hauptstadt Colombo saß. Am Dienstag wurde außerdem ein Luxushotel in Brand gesetzt, das einem Verwandten des zurückgetretenen Ministerpräsidenten Mahinda Rajapaska gehören soll. Insgesamt sind nach Behördenangaben 104 Gebäude und 60 Fahrzeuge niedergebrannt worden.

Bisher mindestens acht Tote, hunderte Verletzte

Die seit Wochen andauernden Proteste im von einer schweren Wirtschaftskrise erschütterten Sri Lanka waren am Montag gewaltsam eskaliert. Mit Bussen nach Colombo gefahrene Anhänger Rajapaksas griffen demonstrierende Regierungsgegner mit Stöcken und Knüppeln an, die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein. Die Polizei verhängte zunächst eine Ausgangssperre für Colombo, die später auf das ganze Land ausgeweitet wurde. Bei den Protesten wurden mindestens acht Menschen getötet, hunderte wurden verletzt. Unter den acht Toten seien ein Abgeordneter der Regierungspartei und zwei Polizisten, hieß es vom Verteidigungsministerium.

Die EU verurteilte die Gewalt gegen Zivilisten und rief zu Ruhe auf. Brüssel forderte die srilankischen Behörden auf, "eine Untersuchung der Ereignisse einzuleiten und diejenigen zur Rechenschaft zu ziehen, die zur Gewalt angestiftet oder sie verübt haben". 

Als Reaktion auf die schweren Ausschreitungen waren Rajapaksa und sein gesamtes Kabinett am Montag zurückgetreten. Dagegen bleibt der Bruder des Ex-Regierungschefs, Präsident Gotabaya Rajapaksa, im Amt. Er verfügt über weitreichende Befugnisse.

Die größte Oppositionspartei forderte angesichts der anhaltenden Unruhen den Rücktritt des Präsidenten. Oppositionsführer Sajith Premadasa von der United Peoples’ Party erklärte sich in Colombo bereit, in einer Übergangsregierung das Amt des Premierministers zu übernehmen. Zur Bedingung machte seine Partei jedoch, dass nach dem Rücktritt des bisherigen Regierungschefs nun auch der Präsident auf sein Amt verzichtet.

Schlimmste Wirtschaftskrise seit Jahren

Auf Sri Lanka herrscht die schlimmste Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. In dem Staat mit etwa 22 Millionen Einwohnern mangelt es an Treibstoff, Lebensmitteln und Medikamenten. Dem hoch verschuldeten Land fehlt das Geld für Importe. Sri Lankas Regierung bezahlt ihre hohen Schulden vorerst nicht zurück und will diese umstrukturieren. Das Land steht in Gesprächen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und hofft auf weitere finanzielle Hilfe aus China und Indien.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. Mai 2022 um 07:00 Uhr und 07:30 Uhr.