Demonstranten im Pool des sri-lankischen Präsidentenpalast | AP

Lage in Sri Lanka Bankrott - und führungslos

Stand: 11.07.2022 09:05 Uhr

Bilder von im Präsidentenpool badenden Demonstranten gingen um die Welt. Nach massiven Protesten kündigte Sri Lankas Präsident seinen Rücktritt an. Nun soll eine Allparteienregierung den Staat aus der Krise führen.

Von Peter Hornung, ARD-Studio Neu-Delhi

Es war sozusagen der Tag der Offenen Tür. Den ganzen Sonntag über strömten Neugierige in den Präsidentenpalast, Zehntausende sicher, und taten das, was sie wohl schon immer tun wollten: Sie badeten im Swimmingpool des Präsidenten, machten Selfies in seinen Betten oder strampelten in seinem Fitnesscenter - alles unter den Augen von Polizisten, die sie gewähren ließen.

Peter Hornung ARD-Studio Neu-Delhi

Einige sangen den Wahlkampfsong von Präsident Gotabaya Rajapaksa mit dem Titel: "Der Held, der arbeitet" - natürlich nur, um das verhasste Staatsoberhaupt zu verspotten.

24 Stunden zuvor, am Samstag, aber war es nicht so friedlich gewesen - ganz im Gegenteil. Hunderttausende hatten demonstriert, einmal wieder: gegen Misswirtschaft, Verschwendung, Korruption und Vetternwirtschaft, gegen "Gota", wie sie den Präsidenten nennen, und seine Leute, denen sie vorwerfen, das Land ruiniert zu haben.

Die Tage zuvor war der Verkauf von Treibstoff an Privatpersonen eingestellt worden. Die Wut war weiter gewachsen.

Menge stürmt Präsidentenpalast

Warnschüsse, Tränengas, mindestens 95 Menschen wurden verletzt. Doch die Sicherheitskräfte konnten die aufgebrachte Menge nicht davon abhalten, den Präsidentenpalast und das Präsidialamt zu stürmen. Nachts brannte noch das Privathaus des Premierministers.

Da hatten sich die Spitzenpolitiker längst in Sicherheit gebracht. "Alle Macht dem Volke", ruft eine Frau. "Aus und vorbei!"

"Er wurde vertrieben"

Erst erklärte Premier Ranil Wickremasinghe, er werde zurücktreten. Schließlich auch Präsident Gota, den sie seit Monaten loswerden wollten. Am Mittwoch werde er sein Amt abgeben, ließ er erklären. Die Menge feierte.

"Das Größte, was das Volk und die Jugend dieses Landes je getan haben, ist, diesen Mann zu vertreiben. Er wurde vertrieben, verjagt. Er ist nicht zurückgetreten. Er hat nicht die Unterstützung des Volkes mehr", sagt Namal Jayawardene. Die Menschen, die das Land lieben, müssten sich jetzt zusammenschließen, um es wieder aufzubauen.

Noch-Premierminister schlägt Allparteienregierung vor

Er werde dem Präsidenten nun eine Allparteienregierung vorschlagen, erklärte Noch-Premierminister Ranil Wickremasinghe am Samstag. Das Land leide unter einer Treibstoffkrise, unter Nahrungsmittelknappheit, deshalb brauche man dringend weitere Gespräche mit dem Internationalen Währungsfond (IWF), und dafür müsse es eine neue Regierung geben, wenn nun die alte geht.

"Es wäre falsch, wenn das Land im Moment keine Regierung hätte. Ich sage es noch einmal: Wenn diese Regierung geht, muss eine neue Regierung eingesetzt werden", forderte Wickremasinghe.

Schlimmste Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten

Sri Lanka ist pleite, hat 50 Milliarden Dollar Auslandsschulden, und deshalb setzt das überschuldete Land auf den IWF, hatte aber auch Indien, China und Russland um Hilfe gebeten. Allein, so die Erkenntnis seit langem, werde man diese schlimmste Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten nicht überwinden.