Demonstranten haben den Präsidentenpalast in Sri Lankas Hauptstadt Colombo gestürmt | REUTERS

Sri Lanka Demonstranten stürmen Präsidentenpalast

Stand: 09.07.2022 15:33 Uhr

Bei Protesten gegen die Wirtschaftskrise in Sri Lanka haben Demonstranten den Amtssitz von Präsident Rajapaksa gestürmt. Der Staatschef soll in Sicherheit sein. Ministerpräsident Wickremesinghe bot seinen Rücktritt an.

In Sri Lankas Hauptstadt Colombo sind etliche Demonstranten in die Präsidentenresidenz eingedrungen. Das war auf Bildern des Fernsehsenders NewsFirst zu sehen. Vor dem Anwesen hatten sich Zehntausende versammelt, um den Rücktritt Gotabaya Rajapaksas und der Regierung zu fordern. 

Auf Facebook gab es eine Live-Übertragung der Stürmung. Dort war zu sehen, wie Hunderte durch die Flure und Räume des Gebäudes zogen. Aus dem Verteidigungsministerium verlautete, dass der Präsident vor den für das Wochenende geplanten Demonstrationen bereits am Freitag in Sicherheit gebracht worden sei.

Zuvor waren die Demonstranten durch das Zentrum der Metropole Colombo gezogen. Sie skandierten Slogans gegen den Präsidenten und schwenkten Flaggen des Landes. Dabei gelang es ihnen auch, Absperrungen der Polizei zu durchbrechen. Diese feuerte Warnschüsse ab und setzte Wasserwerfer und Tränengas gegen Demonstranten ein, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. Auch Soldaten seien im Einsatz, hieß es.

 Sicherheitskräfte in Sri Lanka setzen einen Wasserwerfer gegen Demonstranten ein. | dpa

Sicherheitskräfte setzen Wasserwerfer und Tränengas gegen die Demonstranten ein. Bild: dpa

Ministerpräsident bietet Rücktritt an

Der sri-lankische Ministerpräsident Ranil Wickremesinghe bot als Folge seinen Rücktritt an. Er werde sein Amt abgeben, wenn alle Parteien der Bildung einer neuen Regierung zugestimmt hätten, sagte Wickremesinghes Sprecher Dinouk Colambage.

Zuvor hatten sich die Führer der Parteien im Parlament getroffen und den Rücktritt von Wickremesinghe und Rajapaksa verlangt. Das Amt des Staatschefs solle übergangsweise auf Parlamentspräsident Mahinda Yapa Abeywardena übergehen, twitterte der Oppositionsabgeordnete Rauff Hakeem. Es solle eine Allparteienregierung und Neuwahlen geben.

Proteste gegen die Regierung wegen Wirtschaftskrise

Seit Monaten gibt es regelmäßige Proteste in Sri Lanka, zum Teil von Gewalt begleitet. Das Land befindet sich in der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. Den 22 Millionen Einwohnern mangelt es an Lebensmitteln, Treibstoff und Medikamenten. Sri Lanka hat unter anderem den Internationalen Währungsfonds sowie mehrere Länder wie Russland um Hilfe gebeten.

Gründe für die Wirtschaftskrise sind unter anderem eine starke Abwertung der Landeswährung, wodurch Importe erheblich teurer wurden. Die Bevölkerung macht auch Präsident Rajapaksa dafür verantwortlich und wirft ihm Misswirtschaft vor. Zudem leidet das Land unter dem Einbruch des internationalen Tourismus infolge der Corona-Pandemie. Zwar kündigte die Regierung unter dem neuen Ministerpräsidenten Ranil Wickremesinghe Reformen an. Doch dies konnte die Bevölkerung nicht beruhigen, der Unmut stieg in den vergangenen Wochen.

Im Mai waren Massenproteste gegen die Regierung eskaliert. Es gab Tote und Hunderte Verletzte. Die Regierung von Mahnda Rajapaksa war daraufhin zurückgetreten. Der Bruder des zurückgetretenen Regierungschefs, Präsident Gotabaya Rajapaksa, blieb hingegen im Amt. Die Regierung hatte angesichts der Proteste am Freitag eine unbefristete Ausgangssperre verhängt. Auf Druck von Bürgerrechtsgruppen, Anwälten und buddhistischen Mönchen, die die Demonstrationen unterstützen, nahm sie die Maßnahme aber zurück.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 09. Juli 2022 um 14:00 Uhr.