Krankenwagen und Polizeiautos sowie ein LKW stehen nach einem Angriff mit Schusswaffen vor einer Schule in Kasan, Russland. | dpa

Angriff in Schule in Kasan Motiv des Tatverdächtigen unklar

Stand: 11.05.2021 18:17 Uhr

Bei einer Schießerei in einer Schule in Kasan sind mindestens neun Menschen ums Leben gekommen. Der mutmaßliche Täter wurde festgenommen - sein Motiv ist noch unklar. Nach Behörden-Angaben soll er allein gehandelt haben.

Von Christina Nagel, ARD-Studio Moskau

Es sind erschütternde Bilder, die am Morgen in den sozialen Medien kursieren. Schüsse sind zu hören. Eine Explosion. Kinder laufen schreiend weg. Andere springen in Panik aus den oberen Stockwerken der Schule. Zwei von ihnen in den Tod.

Christina Nagel ARD-Studio Moskau

Am Nachmittag zieht der Chef der russischen Teilrepublik Tatarstan, Rustam Minnichanow, eine traurige Zwischenbilanz: "Wir haben sieben Kinder verloren. Achtklässler. Vier Jungs und drei Mädchen. Außerdem haben wir eine Lehrerin verloren und noch eine Mitarbeiterin."

Mehr als 20 Menschen werden weiter im Krankenhaus behandelt. Unter ihnen seien viele Schwerverletzte, berichtet Vize-Regierungschefin Tatjana Golikowa auf einer Regierungssitzung: "Es sind schwere Wunden, Schusswunden. Es werden Spezialisten gebraucht, die sich mit solchen Verletzungen auskennen. Wir schicken sie jetzt in die Republik."

"Tragödie für das ganze Land"

Republik-Chef Minnichanow spricht von einer großen Tragödie: für Tatarstan und das ganze Land. Regierungschef Mischustin bezeichnete die Tat als brutal und unmenschlich. Kreml-Sprecher Peskow erklärte, Präsident Putin lasse sich laufend von Geheimdienstchef Bortnikow unterrichten. "Der Präsident spricht den Angehörigen der Kinder, die durch den Anschlag ums Leben kamen, sein tiefstes Beileid aus und wünscht den Verletzten baldige Genesung", sagte Peskow.

Gegen halb zehn Ortszeit hatte der Angreifer die Schule betreten. Es ist der erste Tag nach den kurzen Mai-Ferien. Augenzeugen zufolge soll er sofort das Feuer eröffnet haben. Einsatzkräfte können den 19-Jährigen, der vier Jahre zuvor an dieser Schule seinen Abschluss gemacht, schließlich überwältigen.

Ein russischer Soldat der Rosguardia (Nationalgarde) steht Wache nach einem Angriff mit Schusswaffen auf eine Schule in Kasan, Russland. | dpa

Ein russischer Soldat der Rosguardia (Nationalgarde) steht Wache. Bild: dpa

Ermittler gehen von Einzeltäter aus

In den sozialen Netzwerken taucht ein Post von ihm auf, in dem er erklärt, er sei Gott und hasse Menschen. Worte, die er später auch gegenüber den Ermittlern wiederholt haben soll. Es wurde, so die Sprecherin des Ermittlungskomitees, Swetlana Petrenko, ein Strafverfahren "wegen Mordes an zwei oder mehr Personen auf allgemeingefährdende Art und Weise" eingeleitet.

Der 19-Jährige wird inzwischen allein für die Tat verantwortlich gemacht. Erste Meldungen, dass ein weiterer Täter von Einsatzkräften erschossen worden sei, wurden von den örtlichen Behörden im Verlauf des Tages dementiert. 

Putin ordnet Überprüfung der Waffengesetze an

Überall im Land wurden die Sicherheitsvorkehrungen an Schulen hochgefahren. Präsident Putin ordnete zudem eine Überprüfung der Waffengesetze an. Er forderte eine weitere Verschärfung der Regeln für privaten Waffenbesitz.

Der mutmaßliche Täter hatte erst vor Kurzem eine Lizenz für die Lagerung eines Jagdgewehrs bekommen. Zudem wurde bekannt, dass dem Studenten seine College-Zulassung entzogen worden war. Unter anderem weil er nicht zu Prüfungen erschienen war.

In der russischen Teilrepublik Tatarstan wurde für morgen ein Trauertag angeordnet. Schon heute aber wurde überall im Land der Opfer des Anschlags gedacht.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 11. Mai 2021 um 17:00 Uhr.