Möwen fliegen, während ein Mann mit dem Fahrrad vor dem Hafen am Roten Meer in Jiddah, Saudi-Arabien, fährt. | AP

Umweltschutz Saudi-Arabien will bis 2060 klimaneutral sein

Stand: 23.10.2021 14:39 Uhr

Saudi-Arabien gehört als weltgrößter Erdölexporteur auch zu den größten Treibhausgas-Verursachern. Klimaschutz stand bislang hinten an. Das soll sich ändern: Bis 2060 will das Land klimaneutral sein.

Saudi-Arabien, der weltweit größte Erdölexporteur, strebt in knapp 40 Jahren die Klimaneutralität an. Der saudi-arabische Kronprinz Mohammed bin Salman erklärte, sein Land wolle "bis 2060" rechnerisch keine zusätzlichen Treibhausgase mehr produzieren. Möglich sein soll das durch den "Ansatz einer Kreislaufwirtschaft für Kohlenstoff". Der Kronprinz machte die Ankündigung wenige Tage, bevor der Weltklimagipfel beginnt.

Das Ziel für 2060 würde "einen reibungslosen und praktikablen Übergang ermöglichen, ohne wirtschaftliche oder soziale Auswirkungen zu riskieren", sagte Energieminister Prinz Abdulasis bin Salman auf einer Umweltkonferenz.

Investoren drohen wegen Klimafußabdruck abzuspringen

Saudi-Arabien gehört zu den größten Treibhausgas-Verursachern der Welt. Allerdings steht das Land unter Druck, weil Investoren drohen, sich wegen des hohen Klimafußabdrucks von dem Ölkonzern Saudi Aramco abzuwenden, der zu den wichtigsten Einnahmequellen des Wüstenstaats zählt.

Nach UN-Angaben haben sich mehr als 130 Länder das Ziel gesetzt, die Treibhausgasemissionen bereits bis 2050 auf Null zu reduzieren. Deutschland will bis 2045 klimaneutral sein.

Mehr als 450 Millionen Bäume sollen gepflanzt werden

Kronprinz bin Salman kündigte auch neue "Initiativen im Energiesektor" an, welche die CO2-Emissionen bis 2030 um 278 Millionen Tonnen jährlich reduzieren sollen. Damit "verdoppelt" Saudi-Arabien seinen Beitrag zum Klimaschutz, erklärte er.

Erst im März hatte der Kronprinz einen Klimaschutzplan vorgestellt, der unter anderem die Anpflanzung von Milliarden Bäumen in den kommenden Jahrzehnten vorsieht. Das Erdölland wolle seine Emissionen reduzieren, indem es bis 2030 die Hälfte seiner Energie aus erneuerbaren Quellen gewinnt, sagte er damals.

In der ersten Phase sollen demnach mehr als 450 Millionen Bäume gepflanzt und acht Millionen Hektar geschädigtes Land wiederhergestellt werden. Saudi-Arabien erklärte außerdem, dass es neue "Schutzgebiete" ausweisen werde. Mit diesem Schritt erhöhe sich der Anteil der geschützten Gebiete im Königreich auf mehr als 20 Prozent seiner Gesamtfläche, sagte bin Salman und fügte hinzu, dass die erste Phase der Klimaschutzinitiative mehr als 700 Milliarden Riyal (160 Milliarden Euro) kosten werde.

"Einbahnstraße in die Katastrophe"

Saudi-Arabien wolle sich zudem einer Initiative von EU und USA zur Reduktion der Methan-Emissionen anschließen. Die teilnehmenden Länder versprechen, bis 2030 die Emissionen des Treibhausgases um mindestens 30 Prozent im Vergleich zum Niveau von 2020 zu senken. Mittlerweile haben mehr als 30 Länder ihre Unterstützung dafür erklärt.

Vom 31. Oktober an verhandeln die Regierungen auf der Weltklimakonferenz COP26 im schottischen Glasgow darüber, wie sie die Ziele des Pariser Abkommens konkret einhalten können. Dieses sieht eine Begrenzung der globalen Erwärmung auf deutlich unter zwei und möglichst auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter vor. 

UN-Generalsekretär Antonio Guterres hatte die derzeitige Klimasituation jüngst als "Einbahnstraße in die Katastrophe" bezeichnet. Ein "Scheitern" der Konferenz in Glasgow dürfe es nicht geben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 23. Oktober 2021 um 06:50 Uhr.