Die Feuerwehr versucht einen Brand in einem Wald in der russischen Region Jakutien zu löschen. | AP

Waldbrände in Russland "Ein großes Unheil"

Stand: 07.08.2021 17:32 Uhr

Seit Wochen brennen Russlands Wälder. Die Behörden zählen aktuell mehr als 250 Feuer, drei Millionen Hektar sind betroffen. In vielen Fällen wird nicht mal versucht zu löschen. Umweltschützer fordern gesetzliches Gegensteuern.

Die Situation in Russland nimmt immer dramatischere Ausmaße an. Im flächenmäßig größten Land der Erde wüten nach Angaben der Behörden zur Zeit mehr als 250 Brände mit einer Gesamtfläche von mehr als drei Millionen Hektar. Löscharbeiten seien bei 180 Feuern mit einer Fläche von rund 1,3 Millionen Hektar im Gange, teilte die für den Forstschutz zuständige Behörde mit. Die anderen Brände in schlecht zugänglichen Regionen würden nicht gelöscht, weil keine Gefahr für Menschen bestehe, hieß es.

Häuser und Treibstofflager in Gefahr

Vor allem betroffen ist die sibirische Region Jakutien im Nordosten Russlands. Dort und in sieben weiteren Regionen gilt derzeit der Ausnahmezustand. In Jakutien brannten in dem Dorf Bjass-Kjuel mehr als 30 Wohnhäuser ab. "Das ist ein großes Unheil", sagte Republik-Chef Ajssen Nikolajew. Die Bewohner der Region wurden in Sicherheit gebracht. Das Feuer breite sich nach Behördenangaben wegen hoher Windgeschwindigkeiten rasend aus. Mehrere Ortschaften sind bedroht, darunter die Siedlung Sangar in der sich auch Öllager befinden.

Die Staatsagentur Tass meldete, in der sibirischen Region Krasnojarsk seien fast 400 Ortschaften vom Rauch eingehüllt. In der Republik Mordwinien kämpften Hunderte Einsatzkräfte gegen Großfeuer in einem Naturpark. Nach Behördenangaben waren landesweit mehr als 6700 Helfer im Löscheinsatz.

Millionen Hektar Wald abgebrannt

Russland droht die größte Waldbrandkatastrophe des Jahrhunderts. In den vergangenen Jahren wurden immer wieder Rekordtemperaturen verzeichnet. Gleichzeitig werden immer öfter Brandschutzrichtlinien missachtet. Nach Expertenansicht hat zu den Bränden auch die Entscheidung aus dem Jahr 2007 beigetragen, eine Behörde aufzulösen, die das riesige Gebiet aus der Luft überwachte. Dafür sind jetzt die Regionalregierungen zuständig.

Die Umweltorganisation Greenpeace listete für das Land seit Jahresbeginn eine abgebrannte Fläche von 14,3 Millionen Hektar auf. Den Negativrekord des Jahrhunderts gab es demnach 2012 mit einer von Feuern zerstörten Fläche von 16 Millionen Hektar.

Klimawandel und zu wenig Schutzmaßnahmen

"Das hängt mit den zunehmenden Klimaveränderungen zusammen. Die Saison der Waldbrandgefahr wird immer länger, die Dürren kommen häufiger vor, dauern länger und sind intensiver", sagte der Greenpeace-Forstexperte Alexej Jaroschenko. Er kritisierte, dass Gesetze, Geld und Personal zum Schutz des Waldes fehlten.

Greenpeace legte der Regierung in Moskau eine Liste mit Maßnahmen zur Reduzierung der Brände vor. So müssten etwa mehr Förster sowiee Freiwillige eingesetzt und die Bürger über den Brandschutz aufgeklärt werden. Die Umweltschützer beklagen immer wieder, dass viele Feuer von Menschen verschuldet seien. Demnach zündeten viele Russen trotz Warnhinweisen wegen der Waldbrandgefahr Lagerfeuer in den trockenen Wäldern an und ließen sie dann oft auch unbeaufsichtigt.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 29. Juli 2021 um 11:46 Uhr.