Alexej Nawalny | REUTERS

Inhaftierter Kreml-Kritiker EU fordert Behandlung von Nawalny

Stand: 19.04.2021 10:57 Uhr

Der inhaftierte Kreml-Kritiker Nawalny müsse die nötige medizinische Behandlung bekommen, fordert der EU-Außenbeauftragte Borrell von Russland. Nawalnys Gesundheitszustand soll wegen des Hungerstreiks sehr schlecht sein.

Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell hat Russland aufgefordert, dem inhaftierten Kreml-Kritiker Alexej Nawalny die nötige medizinische Behandlung zu ermöglichen. "Wir sind sehr besorgt über die Gesundheitssituation von Herrn Nawalny", sagte Borrell vor Beratungen der EU-Außenminister. Die EU mache Russland "für die Gesundheitssituation von Herrn Nawalny verantwortlich".

Zuvor hatte bereits Bundesaußenminister Heiko Maas eine sofortige "adäquate medizinische Behandlung" des Inhaftierten gefordert. Nawalnys Recht auf medizinische Betreuung müsse "unverzüglich gewährt werden". Diese Forderung sei bereits am Freitag dem russischen Botschafter übermittelt worden, berichtete "Bild" unter Berufung auf das Auswärtige Amt.

USA drohen mit Konsequenzen

Die US-Regierung drohte Russland mit Konsequenzen, sollte Nawalny im Gefängnis sterben. "Wir haben der russischen Regierung mitgeteilt, dass das, was mit Herrn Nawalny in ihrem Gewahrsam geschieht, in ihrer Verantwortung liegt", sagte der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden, Jake Sullivan, dem Sender CNN. "Es wird Konsequenzen geben, falls Herr Nawalny stirbt." Über mögliche spezifische Maßnahmen gegen Russland in einem solchen Fall wolle er derzeit nicht öffentlich sprechen.

Ärzte: Nawalny könnte jede Minute sterben

Nawalny nahestehende Ärzte hatten zuletzt vor einer drastischen Verschlechterung seines Gesundheitszustands gewarnt. Der Kreml-Kritiker will mit einem Hungerstreik erreichen, dass ihm eine angemessene medizinische Versorgung gewährt wird. Zuletzt klagte er über heftige Rückenschmerzen und Taubheitsgefühle in Armen und Beinen. 

Am Samstag forderten seine persönliche Ärztin Anastasia Wasiljewa und drei ihrer Kollegen, darunter ein Herz-Spezialist, Zugang zu dem Inhaftierten. Wegen kritischer Kaliumwerte drohten dem 44-Jährigen "jede Minute" eine eingeschränkte Nierenfunktion sowie ernsthafte Herzrhythmusprobleme, erklärten sie. 

Unterstützer rufen zu neuen Protesten auf

Angesichts der dramatischen Lage haben Unterstützer Nawalnys für Mittwochabend zu neuen Massenprotesten aufgerufen. "Es ist Zeit zu handeln", schrieb der Nawalny-Vertraute Leonid Wolkow auf Facebook. Es gehe nicht mehr nur um die Freiheit des Oppositionellen, sondern "um sein Leben". Die Demonstrationen sollen am Mittwoch um 19.00 Uhr Ortszeit (18.00 Uhr MESZ) stattfinden. Das ist der Tag, an dem Präsident Wladimir Putin eine Rede zur Lage der Nation halten will.

Nawalny hatte im vergangenen August einen Anschlag mit dem Nervenkampfstoff Nowitschok überlebt. Nach dem Anschlag, für den er den Kreml verantwortlich macht, wurde er nach Deutschland geflogen und in der Berliner Charité behandelt. Nach seiner Rückkehr nach Russland im Januar wurde er festgenommen und zu mehrjähriger Haft im Straflager verurteilt.

Über dieses Thema berichteten am 19. April 2021 Inforadio um 07:07 Uhr sowie um 09:50 Uhr und MDR aktuell um 11:00 Uhr in den Nachrichten.