US-Außenminister Blinken bei einer Pressekonferenz in Washington. | AFP

Konflikt im Nahen Osten "Nicht hinnehmbare Eskalation"

Stand: 10.05.2021 21:57 Uhr

Die USA haben den Raketenangriff der Hamas auf Israel scharf verurteilt - entscheidend sei nun für Ruhe zu sorgen. UN-Generalsekretär Guterres forderte zur "maximale Zurückhaltung" im Konflikt auf. Israels Nachbarn äußerten sich besorgt.

Nachdem mehrere Raketen der Hamas am Abend in der Nähe von israelischen Städten niedergingen, wächst international die Sorge, dass der Konflikt im Nahen Osten erneut angeheizt wird. US-Außenminister Antony Blinken sagte, die Angriffe müssten unverzüglich aufhören. Er rief beide Seiten dazu auf, erste Schritte zu unternehmen, die Lage zu entschärfen.

Blinken ließ über einen Sprecher mitteilen, dass die Attacke eine "nicht hinnehmbare Eskalation" sei. Die USA würden zugleich das legitime Recht Israels zur Selbstverteidigung anerkennen. Insgesamt sei die US-Regierung tief besorgt über die Lage in Israel, im Westjordanland und im Gazastreifen. "Es ist für alle Seiten entscheidend, für Ruhe zu sorgen und die Spannungen zu entschärfen und gewaltsame Konfrontationen zu vermeiden."

Guterres warnt vor einer weiteren Eskalation

UN-Generalsekretär Antonio Guterres warnte angesichts der Gewalt vor einer weiteren Eskalation der Lage. "Er verurteilt aufs Schärfste den Abschuss von Raketen aus dem Gazastreifen nach Israel, zu denen sich Berichten zufolge die Hamas bekannt hat", sagte ein Sprecher des UN- Generalsekretärs.

Der Chef der Vereinten Nationen forderte von Israelis und Palästinensern "maximale Zurückhaltung". Die UN betonten erneut ihre "tiefe Besorgnis" über die "anhaltende Gewalt im besetzten Ost-Jerusalem" sowie die mögliche Vertreibung von palästinensischen Familien aus dem Stadtteil Scheich Dscharrah.

"Sinnlose neue Eskalation"

Bundesaußenminister Heiko Maas sagte, der Raketenbeschuss auf die israelische Zivilbevölkerung sei durch nichts zu rechtfertigen. "Er ist erst recht kein Beitrag zur Lösung des Konflikts, sondern sinnlose neue Eskalation", erklärte Maas. "Alle Seiten stehen in der Pflicht, weitere Opfer unter Zivilisten zu verhindern."

Die Bundesregierung rief alle Beteiligten zu Augenmaß und Zurückhaltung auf. "Wir fordern beide Seiten auf, jetzt dringend einen Beitrag zu leisten, um die Situation zu deeskalieren", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Asselborn: Angst, dass Israel Ost-Jerusalem okkupiert

Bereits am Nachmittag forderte Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn, den Nahost-Konflikt ins Zentrum von Beratungen auf EU-Ebene zu stellen. "Wir müssen Israel, Palästina wieder auf die Tagesordnung setzen, ganz oben auf die Tagesordnung", sagte Asselborn. Es gebe derzeit die Angst, "dass die Israelis im Begriff sind, Ost-Jerusalem zu okkupieren".

Portugals Außenminister Augusto Santos Silva appellierte "an alle Beteiligten" von Gewalt abzusehen. "Gewalt ist keine Lösung für irgendetwas, und alle Parteien müssen davon absehen, irgendwelche Gewalttaten zu unterstützen."

Arabische Länder fordern Ende der "Angriffe"

Alle sechs arabischen Länder, die diplomatische Beziehungen zu Israel unterhalten - Ägypten, Jordanien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Marokko und Sudan - verurteilten das israelische Vorgehen. Auch die Türkei forderte ein Ende des Konflikts. Israel müsse aufhören, Palästinenser in Jerusalem anzugreifen, sagte Regierungssprecher Ibrahim Kalin.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hatte gestern das Vorgehen der israelischen Sicherheitsbehörden mit den Worten verteidigt. "Wir werden Recht und Ordnung aufrechterhalten", sagte er.

In Jerusalem liefern sich Palästinenser und israelische Polizisten Auseinandersetzungen vor der Al-Aksa-Moschee. Es gab zahlreiche Verletzte. Die Spannungen sind derzeit besonders hoch, da Israel am Sonntag und heute den sogenannten Jerusalem-Tag beging, mit dem jedes Jahr die Einnahme des Ostteils der Stadt und der Altstadt im Zuge des Sechs-Tage-Krieges 1967 gefeiert wird.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. Mai 2021 um 12:00 Uhr.