UN-Generalsekretär Guterres | AFP

Eskalation in Jerusalem Internationale Sorge über Gewalt in Nahost

Stand: 10.05.2021 15:14 Uhr

Maximale Zurückhaltung hat UN-Generalsekretär Guterres von Israel im neu entbrannten Konflikt mit den Palästinensern gefordert. Auch die EU und sechs arabische Länder äußern sich besorgt über die angespannte Lage.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres hat seine Besorgnis über die gewaltsamen Zusammenstöße in Ost-Jerusalem und Westjordanland ausgedrückt. Er rief Israel auf, weitere Zwangsräumungen einzustellen. Er warnte vor der möglichen Vertreibung palästinensischer Familien aus ihren Häusern. Der UN-Sicherheitsrat will sich auf Antrag Tunesiens heute mit der Gewalt in Jerusalem befassen.

Arabische Länder fordern Ende der "Angriffe"

Alle sechs arabischen Länder, die diplomatische Beziehungen zu Israel unterhalten - Ägypten, Jordanien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Marokko und Sudan - verurteilten das israelische Vorgehen. Auch die Türkei forderte ein Ende des Konflikts. Israel müsse aufhören, Palästinenser in Jerusalem anzugreifen, sagte Regierungssprecher Ibrahim Kalin.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte gestern das Vorgehen der israelischen Sicherheitsbehörden mit den Worten verteidigt. "Wir werden Recht und Ordnung aufrechterhalten", sagte er.

In Jerusalem liefern sich Palästinenser und israelische Polizisten Auseinandersetzungen vor der Al-Aksa-Moschee. Es gab zahlreiche Verletzte. Die Spannungen sind derzeit besonders hoch, da Israel am Sonntag und heute den sogenannten Jerusalem-Tag beging, mit dem jedes Jahr die Einnahme des Ostteils der Stadt und der Altstadt im Zuge des Sechs-Tage-Krieges 1967 gefeiert wird.

Bundesregierung: "Situation deeskalieren"

Die Bundesregierung rief alle Beteiligten zu Augenmaß und Zurückhaltung auf. "Wir fordern beide Seiten auf, jetzt dringend einen Beitrag zu leisten, um die Situation zu deeskalieren", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Auch die USA und die Europäische Union zeigten sich sehr besorgt über die jüngste Gewalt. Der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden, Jake Sullivan, habe in einem Telefonat mit seinem israelischen Amtskollegen Meir Ben-Shabbat betont, die USA bemühten sich um eine Deeskalation, teilte das Weiße Haus mit. Die USA seien besorgt über möglichen Räumungen palästinensischer Familien im Stadtteil Scheich Dscharrah. Der Beschuss Israels aus dem Gazastreifen sei inakzeptabel.

Asselborn: Angst, dass Israel Ost-Jerusalem okkupiert

Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn forderte, den Nahost-Konflikt ins Zentrum von Beratungen auf EU-Ebene zu stellen. "Wir müssen Israel, Palästina wieder auf die Tagesordnung setzen, ganz oben auf die Tagesordnung", sagte Asselborn. Es gebe derzeit die Angst, "dass die Israelis im Begriff sind, Ost-Jerusalem zu okkupieren".

Portugals Außenminister Augusto Santos Silva appellierte "an alle Beteiligten" von Gewalt abzusehen. "Gewalt ist keine Lösung für irgendetwas, und alle Parteien müssen davon absehen, irgendwelche Gewalttaten zu unterstützen."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. Mai 2021 um 12:00 Uhr.