Ein Blick auf die Residenz am Schwarzen Meer, die laut dem Enthüllungsvideo von Alexej Nawalnys Antikorruptionsfonds Wladimir Putin gehören soll. | AP

Kremlkritiker Nawalny zeigt in Video "Putin-Palast"

Stand: 20.01.2021 13:50 Uhr

Eine Residenz am Meer - samt Kirche und Austernfarm: Die gehört laut Kremlkritiker Nawalnys jüngstem Investigativ-Video dem russischen Präsidenten Putin. Der Kreml widerspricht, der Film sprengt Zuschauerrekorde.

Von Stephan Laack, ARD-Studio Moskau

Gestern erst eingestellt und heute Vormittag schon über 18 Millionen Klicks: "Ein Palast für Putin", die fast zweistündige Enthüllungsdokumentation von Alexej Nawalny, ist rekordverdächtig.

Stephan Laack

Das Anwesen nahe der russischen Schwarzmeerstadt Gelendschik sorgt in sozialen Netzwerken bei vielen Russen für Empörung: Ihr Präsident soll sich - so stellt es der Kremlkritiker Nawalny dar - für umgerechnet über eine Milliarde Euro ein Königreich erschaffen haben, das keine Wünsche offenlässt. Viele Russen hingegen müssen von gerade mal 200 Euro im Monat leben.

Der Kremlkritiker Nawalny wird nach einer Anhörung in Moskau von der Polizei abgeführt. | via REUTERS

Kremlkritiker Alexej Nawalny wurde bei seiner Rückkehr nach Russland sofort festgenommen - und zu 30 Tagen Haft verurteilt. Bild: via REUTERS

"Ein neues Versailles, eine echte Zarenresidenz"

Und so präsentiert Nawalny das Luxus-Anwesen in exponierter Lage auf einem Felsplateau direkt an einer Steilküste gelegen.

"Wir stellen Ihnen den geheimnisvollsten Palast in Russland vor - Putins Palast in der Nähe von Gelendschik. Hier befindet er sich, direkt vor Ihnen. Das ist das größte private Wohnhaus in Russland", sagt er im Video. "Die offiziell bestätigte Fläche beträgt 17.500 Quadratmeter. Es ist kaum mit etwas anderem zu vergleichen. Das ist ein neues Versailles oder ein neuer Winterpalast. Das ist eine echte Zarenresidenz." Mit eigener Kirche, Hubschrauberlandeplatz, Weinkelterei und Austernfarm.

Kreml dementiert - Aufruf zu Demonstrationen

Die Kosten für den Bau des Palastes seien durch Gelder von Oligarchen finanziert worden. Die wiederum hätten die Ausgaben als Spenden für wohltätige Zwecke deklariert, erklärt Nawalny in dem Film.

Seine Mitarbeiter hatten den Clip, den Nawalny noch während seines Aufenthaltes in Deutschland produziert hat, im Netz verbreitet. Seine Sprecherin Kira Jarmysch twitterte, Nawalny habe die Recherche nach seiner Rückkehr nach Russland selbst präsentieren wollen. Da er aber sofort ins Gefängnis gesteckt wurde, sei dies nicht möglich gewesen.

Kremlsprecher Dmitroj Peskow bestritt umgehend, dass Putin einen Palast in Gelendschik habe, aber der Film verbreitet sich weiter. Und darin werden Nawalnys Anhänger auch dazu aufgerufen, am kommenden Samstag auf zentralen Plätzen in den Städten des Landes zu protestieren.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 20. Januar 2021 um 12:48 Uhr.