Prozessbeginn gegen Aung San Suu Kyi in Myanmar | dpa

Prozessbeginn in Myanmar Aung San Suu Kyi steht vor Gericht

Stand: 14.06.2021 11:57 Uhr

In Myanmar hat der erste Prozess gegen die gestürzte Regierungschefin Aung San Suu Kyi begonnen. Es geht um sechs angebliche Vergehen, darunter unerlaubter Besitz von Funkgeräten. Beobachter sprechen von einem Schauprozess.

Es ist der erste Prozess gegen die entmachtete De-facto-Regierungschefin von Myanmar, der heute begonnen hat. Aung San Suu Kyi muss sich unter anderem wegen angeblicher Verstöße gegen die Corona-Auflagen und dem Besitz von Funkgeräten ohne die erforderliche Genehmigung verantworten. Morgen startet ein weiterer Prozess gegen die 75-Jährige wegen des Verdachts der Aufforderung zum öffentlichen Aufruhr. Aung San Suu Kyi drohen langjährige Haftstrafen.

Seit dem Militärputsch im Februar ist Aung San Suu Kyi im Hausarrest; seither werden immer neue Vorwürfe gegen die Friedensnobelpreisträgerin erhoben. In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass Aung San Suu Kyi zusätzlich wegen Korruption angeklagt werden soll. Sie soll sich mit 600.000 US-Dollar und elf Kilogramm Gold bestechen haben lassen. Ihre Anwälte nennen diese Vorwürfe "absurd".

"Anklagen sind politisch motiviert"

Beobachter und Menschenrechtsexperten vermuten, dass die Militärjunta die beliebte Politikerin durch die Verfahren langfristig zum Schweigen bringen will. "Die strafrechtlichen Anklagen gegen Aung San Suu Kyi sind falsch und politisch motiviert durch die Absicht, ihren Sieg bei den Wahlen vom November 2020 zu annullieren und zu verhindern, dass sie jemals wieder für ein Amt kandidiert", teilte Phil Robertson von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch mit. Er sprach von einem "Schauprozess".

Alle Anklagen müssten fallen gelassen und Suu Kyi umgehend freigelassen werden. Suu Kyi hatte bereits in der Vergangenheit insgesamt 15 Jahre unter Hausarrest gestanden, bis vor zehn Jahren zaghafte demokratische Reformen eingeleitet wurden. Sie sei auf dem besten Weg, erneut eine "Märtyrerin für die burmesische Demokratie" zu werden, so Robertson.

Das frühere Birma versinkt seit dem Putsch Anfang Februar in Chaos und Gewalt. Das Militär unterdrückt jeden Widerstand mit brutaler Härte. Nach Schätzungen der Gefangenenhilfsorganisation AAPP wurden mindestens 863 Menschen getötet. Mehr als 6000 wurden festgenommen, Zehntausende sind auf der Flucht.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Juni 2021 um 09:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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Winston S. 14.06.2021 • 15:59 Uhr

" ähnlich wie es Putin mit Nawalny gemacht hat."

Mir scheint, Sie haben hier zuviel Bild-Zeitung gelesen. Irgendwelche Beweise für diese abenteuerliche Behauptung oder bloßes Nachgeplapper?