Festgenommene Demonstrierende in St. Petersburg (Archiv vom 31.01.2021) | AP

Nach Protesten in Russland Kreml verteidigt Vorgehen der Polizei

Stand: 01.02.2021 17:55 Uhr

Zehntausende demonstrierten in den vergangenen Tagen in ganz Russland gegen den Präsidenten und seine Politik. Mehr als 5000 Menschen wurden dabei festgenommen. Nach internationaler Kritik verteidigte der Kreml nun die Polizei.

Von Markus Sambale, ARD-Studio Moskau

Präsident Wladimir Putin hat seinen eigenen Blick auf die Lage in Russland. Und auf die Proteste, bei denen gestern Zehntausende Menschen landesweit auf die Straßen gingen.

Markus Sambale ARD-Hauptstadtstudio

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow verteidigte das massive Vorgehen der Einsatzkräfte: "Natürlich ergreift die Polizei Maßnahmen gegen Teilnehmer dieser nicht genehmigten Aktionen." Es habe eine große Zahl von Hooligans und Provokateuren gegeben - "mit einer mehr oder weniger aggressiven Haltung gegenüber den Beamten". Das sei inakzeptabel. "Mit Hooligans und Provokateuren kann man natürlich kein Gespräch führen", so der Kreml-Sprecher.

Von russischen Bürgerrechtlern, aber auch international hatte es Kritik gegeben, die Polizei sei unverhältnismäßig hart gegen friedlich Demonstrierende vorgegangen. Mehr als 5000 Menschen wurden festgenommen, manche ruppig in Polizeibusse gezerrt. Viele von ihnen blieben stundenlang in Gewahrsam.

Zehntausende bei Protesten in mehr als 100 Städten

Proteste gegen Putin und dessen Politik gab es in mehr als 100 Städten. In Moskau war auch die Frau des inhaftierten Kreml-Kritikers Alexej Nawalny dabei. Wegen der Teilnahme an der Demonstration wurde Julia Nawalnaja heute zu einer Geldstrafe von umgerechnet rund 220 Euro verurteilt, wie ihre Anwältin berichtet: "Die Strafe beträgt 20.000 Rubel. Wir sind damit nicht einverstanden und werden nach Erhalt der Dokumente in Berufung gehen."

Seit Tagen machen die Behörden Druck auf die Vertrauten von Nawalny. Doch die wollen sich nicht einschüchtern lassen und haben für Dienstag zu weiteren Protesten aufgerufen. Dann will ein Moskauer Gericht entscheiden, ob eine schon länger zurückliegende Bewährungsstrafe gegen Nawalny in eine Haftstrafe umgewandelt wird. Nawalny drohen im schlimmsten Fall bis zu dreieinhalb Jahre Gefängnis.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 01. Februar 2021 um 17:10 Uhr.