Entmachteter afghanischer Präsident Ashraf Ghani

Geflüchteter afghanischer Präsident Ghani will nicht im Exil bleiben

Stand: 18.08.2021 21:50 Uhr

Als die Taliban vor Kabul standen, floh der afghanische Präsident Ghani. Zuflucht fand er in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Doch dort will er nicht bleiben. An eine Zukunft in Afghanistan glauben die USA jedoch nicht.

Der geflohene afghanische Staatschef Ashraf Ghani hat sich mit einer Videobotschaft aus dem Exil in den Vereinigten Arabischen Emiraten gemeldet. Darin sprach er von einer möglichen Rückkehr nach Afghanistan. Es gebe Gespräche darüber. Ghani hatte das Land verlassen, als die militant-islamistischen Taliban auf Kabul vorrückten.

In dem Facebook-Video verteidigte Ghani seine vielfach kritisierte Abreise aus Kabul. Es sei die einzige Möglichkeit gewesen, ein Blutvergießen zu verhindern, sagte er. Dauerhaft wolle er jedoch nicht im Exil bleiben.

USA: Ghani kein wichtiger Akteur mehr

Ghani begrüße die Gespräche, die der frühere Präsident Hamid Karsai und ein Repräsentant der gestürzten Regierung, Abdullah Abdullah, mit den Taliban führten, sagte er. Karsai und Abdullah trafen sich mit dem Führer der mächtigen, von den USA als terroristisch eingestuften Taliban-Fraktion Hakkani-Netzwerk, Anas Hakkani. Für Ghani sieht die Regierung in Washington keine politische Zukunft: Die US-Administration erklärte, Ghani sei in Afghanistan kein wichtiger Akteur mehr.

Ghani wies in seinem Video Vorwürfe zurück, er habe Millionen Dollar mitgenommen. "Ich war gezwungen, Afghanistan mit einem Satz traditioneller Kleidung, einer Weste und den Sandalen, die ich getragen habe, zu verlassen", sagte er. Zuvor hatte der afghanische Botschafter in Tadschikistan Ghani des Diebstahls von 144 Millionen Euro beschuldigt. Er werde bei Interpol einen Antrag auf Festnahme Ghanis zu stellen, kündigte Mohammed Sahir Aghbar bei einer Pressekonferenz an. Aghbar nannte Ghanis Flucht "einen Verrat am Staat und der Nation". Den Vorwurf des Diebstahls erläuterte er nicht näher.

Nach Angaben der russischen Botschaft in Kabul vom Montag war Ghani mit vier Wagen und einem Hubschrauber voller Geld aus Afghanistan geflohen.

VAE als sicherer Hafen

Die Vereinigten Arabischen Emirate hatten Ghani und seine Familie aus humanitären Gründen aufgenommen. Wo im Land sich Ghani aufhält, blieb unerwähnt.

Die Vereinigten Arabischen Emirate hatten in der jüngeren Vergangenheit mehrmals hohen ausländischen Staatsvertretern mit Problemen in ihrem Heimatland Schutz gewährt. Vergangenes Jahr ging der unter Korruptionsverdacht stehende ehemalige König Juan Carlos von Spanien ins Exil in die Emirate. Die in Abwesenheit zu fünf Jahren Haft verurteilte ehemalige thailändische Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra fand 2017 in Dubai Schutz.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 18. August 2021 um 17:48 Uhr.