Fotos des philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte und seiner Tochter Sara Duterte-Carpio.  | dpa

Präsidentenwahl auf den Philippinen Eine Kandidatur mit Konfliktpotential

Stand: 16.11.2021 10:40 Uhr

Im Mai 2022 wird auf den Philippinen ein neuer Präsident gewählt. Für das Amt bewerben sich viele. Die Tochter von Präsident Duterte tritt als Kandidatin für die Vizepräsidentschaft an. Duterte will Senator werden.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

Würde es ein Duo Duterte-Duterte geben, die Tochter als Präsidentin, der Vater als Vize-Präsident? Oder ein Rennen von Tochter gegen Vater, beide um den Posten des Vize? Die Spekulationen um die Wahlen auf den Philippinen nahmen immer wildere Züge an. Bis zur letzten Minute hatten sich zahlreiche Politiker noch offengelassen, ob und für welchen Posten sie kandidieren, Montag war Meldeschluss und dann war klar - der Präsident will noch nicht in Rente.

Tochter Dutertes will Vizepräsidentin werden

Ein Reporter des Nachrichtenportals Rappler steht beim Wahlausschuss, wo ein Beauftragter die Kandidatur Dutertes für den Senat abgibt - und seine Kandidatenkarte hochhält.

Entgegen der Annahmen hat sich seine Tochter Sara Duterte-Carpio nicht als Kandidatin für die Präsidentschaft aufstellen lassen, sondern als Vizepräsidentin. Für beide Posten wird auf den Philippinen getrennt gewählt. Momentan ist sie noch Bürgermeisterin in ihrer Heimatstadt Davao auf der südlichen Insel Mindanao - ihr Vater regierte dort ebenfalls viele Jahre lang und war berüchtigt für seinen blutigen Kampf gegen Drogen, den er als Präsident dann fortsetzte.

"Gute Chancen bei der Wahl"

Einige Frauen sagen der Nachrichtenagentur Reuters: "Sie ist gut als Bürgermeisterin und sie hat gute Chancen bei der Wahl, vor allem mit ihrem Vater und dessen Einfluss." Und sie sagen weiter: "Sie repräsentiert uns, ich bin auch von Mindanao und wir wollen, dass sie fortsetzt, was ihr Vater begonnen hat."

Bisher hatten die Prognosen Sara Duterte-Carpio die besten Chancen auf eine Wahl zur Präsidentin gegeben. Dass sie nur als Vize kandidiert, erklärte ihr Vater in einem Radiointerview am Sonntag: "Das war wohl eine Entscheidung von den Leuten um Ferdinand Bongbong Marcos. Sie wollen, dass Sara seine Vizepräsidentin wird."

Sohn von Ex-Diktator Marcos kandidiert auch

Ferdinand Marcos junior, genannt Bongbong, ist der Sohn des ehemaligen Diktators Ferdinand Marcos. Der regierte 14 Jahre lang unter dem Kriegsrecht, bis er 1986 fliehen musste. Doch seine Frau Imelda, seine Tochter Imee und sein Sohn Bongbong sind seit vielen Jahren in der Politik aktiv, als Senatoren oder als Kongressabgeordnete. Und vielleicht bald als Präsident. Die Tochter eines Präsidenten, der Menschenrechte mit Füßen tritt, und ein Diktatorensohn als Duo - wie kann das sein?

Viel Desinformation über social media

Rebecca Zistel, Leiterin der Friedrich Naumann Stiftung auf den Philippinen, erklärt: "Zum einen klärt das Bildungssystem hier auf den Philippinen nicht über die Diktatur von Marcos auf, zum anderen nutzt der Marcos-Clan social media stark zu seinen Gunsten. Für die Philippinen sind Facebook und Youtube das Internet und somit kursieren extremst viel Desinformation zur Vergangenheit und zu den jeweiligen Kandidaten, weil es keine Regularien von Facebook und Youtube gibt, die Desinformation unterbindet."

Zumindest einige Teile der philippinischen Bevölkerung schreckt die Aussicht auf ein Marcos-Duterte Duo ab, das zeigten Proteste in Quezon: "Niemals mehr", skandierten die Demonstranten.

Weitere Kandidaten für die Präsidentschaft sind der beliebte Boxer Manny Pacquiao und Christopher Bong Go, ein Gefolgsmann Dutertes.

Eine Kandidatin als Vertreterin der Armen

Und auch Leni Robredo, die jetzige Vizepräsidentin, kandidiert. Zistel sagt über sie: "Sie hat sehr viele Programme gestartet, um der marginalisierten Bevölkerung zu helfen und diese zu unterstützen, vor allem jetzt während der Covid-Pandemie. Und auch ihr Hintergrund als Rechtsanwältin in diesem Bereich macht sie zu einer Kandidatin, die wirklich eine Veränderung im Land herbeiführen könnte."

Eine Kandidatin, die so weit wie möglich vom autoritären Stils Dutertes entfernt ist, eine Kandidatin der Armen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. November 2021 um 18:00 Uhr in den Nachrichten.