Ein Mann steht in Peking (China) vor einer Absperrung an einer Sportstätte der Olympischen Winterspiele 2022 | AFP

Olympische Winterspiele in China Zutritt nur mit Einladung

Stand: 18.01.2022 13:37 Uhr

China verschärft die Abschottung der Olympischen Spiele noch einmal: Es wird keinen Ticketverkauf, sondern nur gezielte Einladungen geben. Dabei ist Omikron längst im Land - und bald steht eine der Hauptreisezeiten an.

Von Benjamin Eyssel, ARD-Studio Peking

Lange haben die Organisatoren die Entscheidung hinausgezögert. Zweieinhalb Wochen vor Eröffnung der Winterspiele ist nun klar: Es wird wegen der Covid-19-Pandemie keine Eintrittskarten im freien Verkauf geben. Man werde aber bestimmte Zuschauergruppen einladen. Was das genau bedeuten soll, wurde nicht mitgeteilt.

Benjamin Eyssel ARD-Studio Peking

Stattdessen will die Staats- und Parteiführung positive Nachrichten verbreiten. Einer der wichtigsten Aspekte der Spiele sei, dass sie besonders umweltfreundlich seien. Alle 26 Wettkampfstätten würden mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben, sagte der Sprecher der chinesischen Staats- und Parteiführung, Zhao Lijian. Dadurch könne man im Jahr 12,8 Millionen Tonnen CO2 einsparen.

Überprüfen lassen sich diese Aussagen nicht. Experten im Ausland sagen, das Gegenteil sei der Fall: Die Winterspiele in China seien ausdrücklich nicht umweltfreundlich und nachhaltig.

Komplette Abschottung

Am 4. Februar beginnen die Olympischen Spiele mit der Eröffnungsfeier im Nationalstadion in Peking, dem sogenannten Vogelnest. Die Spiele sollen dann komplett abgeschottet vom Rest des Landes stattfinden, in einer sogenannten Blase.

Wer ohne dreiwöchige Quarantäne einreisen will, muss vollständig geimpft sein, es gibt tägliche PCR-Tests. Damit soll verhindert werden, dass Athletinnen und Athleten und die Tausenden Betreuer, Journalistinnen und Trainer das Corona-Virus einschleppen und im Land verbreiten. Die ersten von ihnen sind bereits gelandet.

Eine Frau mit Kind fotografiert in Peking ein Werbeplakat für die Olympischen Winterspiele 2022 | AP

Auch wenn die Werbung für die Winterspiele 2022 dieser Frau ein Foto wert ist: Die Spiele selbst werden die Chinesen und internationale Sportfans nur am TV verfolgen können - bis auf wenige Ausnahmen. Bild: AP

Omikron-Fälle trotz Abschottung

Im Ursprungsland des Corona-Virus gilt seit fast zwei Jahren eine strikte Null-Covid-Strategie. Die offiziellen Corona-Zahlen sind weiterhin niedrig. Doch die hochansteckende Omikron-Variante ist längst im Land. In mehreren Landesteilen haben die Behörden Fälle bestätigt, darunter auch einzelne in den beiden wichtigsten und größten Städten des Landes, Shanghai und Peking.

Ein Omikron-Fall in Peking sei möglicherweise durch ein Post-Paket aus Kanada eingeschleppt worden. Das sagte Pang Xinghuo von der für die Hauptstadtregion zuständigen Gesundheitsbehörde auf einer Pressekonferenz. Internationale Experten zweifeln an dieser Version. Zumindest die Nachricht an die Bevölkerung ist klar: Die Bedrohung kommt von außen.

Was in Peking und Shanghai anders läuft

Anders als in vielen Städten haben die Behörden in den 20-Millionen-Metropolen Shanghai und Peking nicht mit Komplett-Lockdowns reagiert, sondern sehr gezielt Kontaktpersonen isoliert und Tausende im näheren Umfeld getestet.

Nach den Erfahrungen weltweit ist unklar, ob China mit den bisher erfolgreichen Methoden die Omikron-Variante kurz vor Beginn der Olympischen Spiele in den Griff bekommt. Studien belegen, dass die in China genutzten Impfstoffe kaum vor einer Ansteckung mit der Omikron-Variante schützen. 

Dazu kommt, dass in diesen Tagen die Reisewelle zum chinesischen Neujahr beginnt. Traditionell reisen in den kommenden Wochen Hunderte Millionen Menschen quer durchs Land zu ihren Familien.

Über dieses Thema berichtete mdr aktuell am 18. Januar 2022 um 12:25 Uhr.