Blick auf die alpine Rennstrecke in Pekings Yanqing-Bezirk | REUTERS

Vor Olympischen Winterspielen Abschotten und proben

Stand: 04.01.2022 10:40 Uhr

In einem Monat beginnen die Olympischen Winterspiele in Peking. Es werden Spiele in einer Blase werden - aus Sorge vor der Pandemie. Doch das Virus ist auch in China nicht unter Kontrolle. Aber die Vorbereitungen laufen weiter.

Von Benjamin Eyssel, ARD-Studio Peking

Auch Medaillen-Verleihungen wollen geprobt und durchgespielt sein. So steigen am Montag Mitarbeiterinnen des Organisations-Komitees aufs Siegertreppchen, hängen sich Medaillen um und winken vom Podest. "Beijing 2022" steht in großen Buchstaben über den Olympischen Ringen. Die chinesische Hauptstadt will zeigen, dass sie bereit ist, nach den Sommerspielen 2008 nun auch Winterspiele abzuhalten. Dass eine Stadt sowohl Sommer- als auch Winterspiele austrägt, das gab es noch nie in der Geschichte.

Benjamin Eyssel ARD-Studio Peking

In seiner Neujahrsansprache verspricht Staats- und Parteichef Xi Jinping, China werde keinen Aufwand scheuen und der Welt großartige Spiele präsentieren. Die Welt richte ihre Augen auf China und das Land sei bereit.

Es sollen Spiele der Superlative werden. China hat keine Kosten und Mühen gescheut, hat an drei Standorten rund um die Hauptstadt nagelneue Wettkampfstätten und Olympische Dörfer gebaut, Krankenhäuser, Isolierstationen, Autobahnen, Hochgeschwindigkeitsbahntrassen.

Versprechen der Nachhaltigkeit

Bei einer organisierten Tour für Journalisten nach Yanqing Mitte Dezember, einem der drei Wettkampforte stellten die Organisatoren die Ski-Alpin-Piste und die Bobbahn vor. Alles grün, alles nachhaltig, versprachen sie.

Für Journalisten und nicht-staatliche Organisationen ist das schwer zu überprüfen. Die Informationspolitik der chinesischen Organisatoren ist mehr als dürftig. Pressefreiheit gibt es in der autoritär regierten Volksrepublik nicht. Offene Kritik an den Spielen ist nicht erwünscht und existiert deshalb auch nicht. Ausländische Sportlerinnen und Sportler konnten die Bobbahn bereits testen. Von der Bahn waren viele begeistert.

Harte Reaktion auf Verdachtsfälle

Doch an der Durchführung der Testläufe gab es viel Kritik. Wegen Chinas Null-Covid-Politik fanden die Tests in Blasen statt, komplett abgeschottet vom Rest des Landes. Mehrere Athletinnen und Athleten beklagten sich darüber, wie die Behörden mit ihnen umgegangen sind - zum Beispiel als es Covid-Verdachtsfälle gab. China und das Internationale Olympische Komitee versprachen Besserung.

Auch die Spiele sollen komplett in einer Blase stattfinden. Ausländische Zuschauer sind keine zugelassen, ob Menschen, die in China leben, Tickets kaufen können, ist bis heute unklar.

Durch das Olympische Dorf in Peking laufen Menschen. | REUTERS

Noch sind nur wenige Menschen im Olympischen Dorf in Peking. Und auch während der Spiele wird es hier strikte Vorgaben geben. Bild: REUTERS

Angst vor Omikron

China will auf jeden Fall verhindern, dass die Sportlerinnen und Sportler das Coronavirus ins Land tragen und verbreiten. Vor allem vor der ansteckenderen Omikron-Variante dürfte sich die Staats- und Parteiführung fürchten, da jetzt klar ist, dass die chinesischen Impfstoffe nicht vor einer Ansteckung schützen. Auch natürliche Immunität durch durchgemachte Infektionen gibt es in China kaum.

Der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité sagte aber in der vergangenen Woche im Deutschlandfunk, er sei sich nicht sicher, ob es Olympische Spiele brauche, um Omikron nach China zu bringen. "Das Virus ist da auch schon", sagte Drosten weiter - die Olympischen Spiele würde dann "gar nicht mehr so viel noch oben drauf setzen". Vielmehr müsse am sich "insgesamt über diese Konstellation Sorgen machen".

China kämpft seit Ende 2019 mit dem Coronavirus. Mit Xi'an steht derzeit eine Stadt mit 13 Millionen Bewohner unter einem strikten Lockdown, und das seit fast zwei Wochen. Hier geht es aber vermutlich um die Delta-Variante des Virus. Am späten Montag wurde auch über die ostchinesischen Stadt Yuzhou (Provinz Henan) ein Lockdown verhängt. Nach drei festgestellten Corona-Infektionen dürfen die Bewohner ihre Häuser nur noch in Ausnahmefällen ihre Wohnungen verlassen. Zudem wurden Massentests für die gesamte Bevölkerung angeordnet. Auch hier gibt es noch keinen Hinweis, um welche Variante es sich handelt.

IOC spricht von Zuversicht

Die Spiele abzusagen oder zu verschieben, scheint für China keine Option zu sein. Auch das Internationale Olympische Komitee hält an den Spielen fest. Man freue sich auf erfolgreiche Winterspiele, sagte IOC-Chef Thomas Bach am 1. Januar, man sei "sehr zuversichtlich", Peking werde "Geschichte schreiben" als erste Stadt, die beide Spiele ausrichte.

Jegliche Kritik prallt am IOC ab, genauso wie an der chinesischen Staats- und Parteiführung. International steht die Volksrepublik vor allem für ihre Menschenrechtsverletzungen in der Kritik, unter anderem an den Uiguren im Westen des Landes.

Mehrere Länder haben deshalb einen politischen Boykott der Spiele angekündigt, darunter Großbritannien, die USA und Australien. Die chinesische Staatsführung hat darauf erwartungsgemäß mit Empörung reagiert: Man solle den Sport doch bitte nicht politisieren. In Deutschland und der Europäischen Union ist man noch unentschlossen, was einen politischen Boykott angeht. Außenministerin Annalena Baerbock von den Grünen hat aber schon angekündigt, nicht zu fahren.

Viele Sportler bleiben zu Hause

Ungeachtet dessen haben etliche Sportlerinnen und Sportler bereits abgesagt. Auch die nordamerikanische Eishockey-Profiliga NHL will wegen der Pandemie keine Spieler schicken. Dazu kommen die Leute, die sich in den kommenden Wochen noch mit dem Corona-Virus infizieren und nicht fliegen dürfen.

Einen Monat vor dem Beginn der Olympischen Winterspiele in China, drohen diese zu einer Veranstaltung zu werden, an der hauptsächlich chinesische Athletinnen und Athleten teilnehmen - ohne Zuschauer und mit nur wenigen Staatsgästen aus dem Ausland.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 04. Januar 2022 um 07:10 Uhr sowie mdr Aktuell um 10:24 Uhr.