In der pakistanischen Provinz Sindh trägt ein junger Mann einen Beutel mit vor den heftigen Überschwemmungen gerettetem Besitz durch völlig überflutete Straßen und vorbei an den Trümmern von zerstörten Häusern. | AP

Flutkatastrophe in Pakistan WHO warnt vor Krankheitsausbrüchen

Stand: 31.08.2022 14:43 Uhr

Nur sehr langsam gehen die Hochwasser in Pakistan etwas zurück. Die Hilfe für die Millionen Betroffenen gestaltet sich äußerst schwierig. Und laut der WHO wächst zunehmend die Gefahr, dass sich gefährliche Krankheiten ausbreiten.

Nach den schweren Überschwemmungen in Pakistan wächst bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Sorge, dass sich unter der Bevölkerung verstärkt Krankheiten ausbreiten könnten. Angaben der pakistanischen Behörden zufolge sind etwa 33 Millionen Menschen von den Auswirkungen der Überschwemmungen betroffen - jede oder jeder siebte Einwohnerin oder Einwohner des Landes.

Infolge der Naturkatastrophe hätten Millionen Menschen den Zugang zu medizinischer Versorgung und Behandlungsmöglichkeiten verloren, warnte die WHO. Zudem seien fast 900 medizinische Einrichtungen des Landes durch die Überschwemmungen beschädigt oder zerstört worden. Das Risiko nehme zu, dass sich potenziell tödliche Krankheiten wie Malaria und Dengue-Fieber ausbreiten könnten, aber auch Cholera oder die Ruhr. Auch die Polio-Impfkampagne sei in den betroffenen Gebieten unterbrochen worden.

Ansteckungen durch unsauberes Trinkwasser

Farhad Khan, der ärztliche Leiter einer behelfsmäßigen Klinik in der Stadt Charsadda in der Provinz Khyber Pakhtunkhwa, warnte gegenüber der Nachrichtenagentur AP, dass bereits jetzt mehr Menschen mit Durchfallkrankheiten zur Behandlung zur Behandlung kämen als Menschen mit Verletzungen. Ein Grund ist die fehlende oder ungenügende Versorgung der von der Katastrophe betroffenen Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser. Auch lokale Behörden gaben an, dass es in der Provinz bereits Hunderte Ansteckungen mit Krankheiten gegeben habe, die wahrscheinlich auf unreines Trinkwasser zurückzuführen seien.

Die Überschwemmungen in Pakistan gehen auf ungewöhnlich heftige Regenfälle während der diesjährigen Monsun-Periode zurück. Seit Juni kamen mehr als 1160 Menschen ums Leben. Laut der Nachrichtenagentur AFP wurden fast eine Million Häuser und Tausende Hektar Ackerland zerstört. Zahlreiche Dörfer sind nach wie vor von der Versorgung abgeschnitten, vielerorts gibt es keinen Strom.

Ein Land wie ein "vollgesogener Schwamm"

Die pakistanische Regierung versuchte auch am Mittwoch, Bewohnerinnen und Bewohner aus entlegenen Dörfern in Sicherheit zu bringen. In Hochwassergebieten wurden bislang rund 4200 medizinische Notfalleinrichtungen bereitgestellt, teilte Azra Fazal Pechuho mit, Gesundheitsministerin in der besonders schwer betroffenen Provinz Sindh.

Doch obwohl die Hochwasser langsam zurückgehen, geschieht dies nur sehr langsam. Fast ein Drittel des ganzen Landes stehen laut AFP unter Wasser, sodass es kaum Möglichkeiten gibt, wohin die Wassermengen abfließen können. Pakistans Klimaministerin Sherry Rehman verglich das Land mit einem "vollgesogenen Schwamm", der kein weiteres Wasser mehr aufnehmen könne.

Guterres will nach Pakistan reisen

UN-Generalsekretär António Guterres sprach in Bezug auf die heftigen Regenfälle von einem "Monsun auf Steroiden". Er will am Freitag der kommenden Woche nach Pakistan reisen und dort auch die Katastrophengebiete besuchen, wie ein Sprecher des Generalsekretärs ankündigte.

Die UN versuchen über einen Nothilfeaufruf 160 Millionen Euro für die Hilfe in Pakistan aufzubringen. Doch diese Summe wird den Schätzungen der pakistanischen Regierung kaum reichen, um den Wiederaufbau zu finanzieren. Pakistans selbst geht von Kosten von mindestens zehn Milliarden Euro aus.

Spendentafel Flut Südasien

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. August 2022 um 23:00 Uhr.