Frauen tragen Habseligkeiten aus ihrem durch heftige Regenfälle überschwemmten Haus im Bezirk Qambar Shahdadkot in der pakistanischen Provinz Sindh. | dpa

Flutkatastrophe in Pakistan UNHCR will Hilfslieferungen ausweiten

Stand: 06.09.2022 16:53 Uhr

Millionen Menschen sind nach den heftigen Überschwemmungen in Pakistan auf Hilfe angewiesen. Die Vereinten Nationen wollen ihre Hilfslieferungen ausweiten. Bislang kommt die Unterstützung offenbar nur stockend an.

Angesichts der nach wie vor dramatischen Lage in den Überschwemmungsgebieten in Pakistan will das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) seine Unterstützung für die betroffene Bevölkerung verstärken.

Seit Wochenbeginn werden Hilfslieferungen über eine Luftbrücke in das Land gebracht. Ein erster Flug sei am Montag von Dubai aus gestartet, für Mittwoch und Donnerstag seien weitere Flüge vorgesehen, teilte ein Sprecher der Organisation mit. Ziel dieser Lieferungen sei vor allem die Provinz Sindh im Süden Pakistans, in der die Überschwemmungen besonders große Verwüstungen angerichtet haben.

6,4 Millionen Menschen brauchen dringend Hilfe

Vorrangig werden laut UNHCR Schlafmatten, Küchengerät und Mehrzweckplanen an Bord der Flugzeuge nach Pakistan gebracht. Über Land würden aus Usbekistan mit Lastwagen Zelte für etwa 11.000 Familien in die Katastrophengebiete geliefert. Angaben der Vereinten Nationen zufolge sollen zunächst rund 50.000 Haushalte über die Nothilfe der UN versorgt werden.

Seit Mitte Juni kommt es in Pakistan zu ungewöhnlich starken Regenfällen. Mehr als 1300 Menschen kamen bislang ums Leben. Behörden des Landes schätzen, dass insgesamt etwa 33 Millionen Menschen von den Auswirkungen der Überschwemmungen betroffen sind. Die UN gehen davon aus, dass davon derzeit mehr als 6,4 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen sind. Fast 634.000 Menschen leben demnach in provisorischen Camps. Im ganzen Land wurden nahezu eine Million Häuser zerstört.

Brutstätte für Moskitos und Krankheiten

Doch bislang erscheine die internationale Hilfe, die Pakistan erreiche, noch sehr unstrukturiert, berichtet ARD-Korrespondent Oliver Mayer aus der pakistanischen Provinz Sindh. "Dabei brauchen die Menschen hier so vieles", so Mayer - von Wasserpumpen über Lebensmittel bis hin zu ärztlicher Versorgung.

Und auch die Sorge vor der Verbreitung hochansteckender Krankheiten nimmt in Pakistan immer weiter zu. Seit Tagen herrsche in dem Land eine "unsägliche Hitze", berichtet Mayer weiter. Und diese schaffe in den Überschwemmungsgebieten den Brutgrund für Moskitos, die etwa Malaria oder auch das Dengue-Fieber übertragen können.

Größter Süßwassersee droht überzulaufen

Meteorologen warnen jedoch auch in den kommenden Wochen vor weiteren Regenfällen. Das würde den Kampf von Einsatzkräften in der Provinz Sindh weiter erschweren, die versuchen, den größten Süßwassersee des Landes am Überlaufen zu hindern. Etwa 100.000 Anwohnerinnen und Anwohner rund um den Manchar-See wurden bereits vorsorglich in Sicherheit gebracht. An drei Stellen wurde der um den See errichtete Deich gebrochen, um Wasser abfließen zu lassen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. September 2022 um 12:00 Uhr.