Sicherheitskraft in der Altstadt von Jerusalem | AFP

Ostern in Jerusalem Feiern in angespannter Atmosphäre

Stand: 15.04.2022 02:30 Uhr

Alle 33 Jahre fallen die hohen Festtage der drei monotheistischen Weltreligionen zusammen: Ostern, das Pessachfest und der Fastenmonat Ramadan - so auch in diesem Jahr. In Jerusalem löst das Spannungen aus.

Von Eva Lell, ARD-Studio Tel Aviv

Nach zwei Jahren Pandemie sind Touristen und Pilger zurück in der Jerusalemer Altstadt. Die Souvenirläden sind wieder geöffnet, Tarek verkauft Ledersandalen, er ist für das Osterwochenende nur sehr vorsichtig optimistisch: "Wir sehen, dass einige Touristen kommen, aber nicht so viele wie vor der Pandemie. Wir hoffen, aber wir erwarten nicht, dass die Geschäfte so gut sein werden wie vor dem Coronavirus."

Eva Lell

Langsame Erholung nach Corona-Pandemie

Ganz ähnlich sieht das Susu, der zwei Läden weiter Souvenirs und Schals verkauft: "So ist es, so läuft das Geschäft, es ist ein Auf und Ab." Er ist schnell in seinem Element: "Ich habe einen Schal, der zu allem passt, was du trägst", sagt er und zeigt seine ganze Auswahl. "30 Schekel, das sind sieben Euro, ich mache dir einen guten Preis, ich senke den Preis für dich."

Katholische Nonnen bei der traditionellen Fußwaschungszeremonie in Jerusalem. | REUTERS

Katholische Nonnen bei der traditionellen Fußwaschungszeremonie in Jerusalem. Bild: REUTERS

Daniel und Marlen sind zum ersten Mal in Jerusalem. Nicht als Pilger, sondern als Touristen. Sie sind begeistert. "Wir waren gestern in Tel Aviv, das fühlte sich an wie Berlin mit besserem Wetter", erzählt der Schwede Daniel. "Aber Jerusalem ist toll, es ist so wundervoll hier, es hat so eine spirituelle Atmosphäre." Und Marlen meint: "Es ist sehr angenehm in der Altstadt, es ist nicht zu voll, aber es sind einige Leute und Touristen unterwegs."

Gäste aus aller Welt

Jerusalem ist ein heiliger Ort - für Muslime, Juden und Christen. Matthew kommt aus den USA. Er ist als Pilger in Jerusalem, wegen der Osterfeierlichkeiten. Dass das jüdische Pessachfest, der muslimische Fastenmonat Ramadan und das christliche Osterfest in diesem Jahr zeitgleich gefeiert werden, nennt er sehr bedeutsam: "Ich freue mich sehr, bin aber auch etwas besorgt wegen der Spannungen in der Region. Aber ich hoffe, dass alle hier werden feiern können."

Palästinensische Muslime beten in der Omar-Moschee in Jerusalem | AFP

Palästinensische Muslime beten in der Omar-Moschee in Jerusalem. Bild: AFP

Die Jerusalemer Muslimin Hekmat, die in der Jerusalemer Altstadt lebt und jeden Abend mit Familie und Freunden das Fastenbrechen feiert, freut sich, dass Ostern und Ramadan gleichzeitig stattfinden. Palästinensische Muslime und Christen fühlen sich sehr verbunden.

Getrennt statt gemeinsam

"Auf der anderen Seite habe ich den Eindruck, dass die jüdischen Israelis den Ramadan nicht mögen", sagt Hekmat. "Es gibt viele Auseinandersetzungen und Verhaftungen. Armee und Polizei versuchen, uns zu kontrollieren, vor allem während des Ramadans."

Ganz ähnlich sieht das Leya. Sie lebt im jüdischen Viertel in der Altstadt und ist mit Vorbereitungen für den Sederabend beschäftigt: "Wir haben sehr viel zu tun. Wir haben schon alles gründlich geputzt und heute kochen wir für alle Leute, die uns besuchen werden."

Orthodoxe Juden sammeln Quellwasser, um Mazze-Brot zu backen. | AFP

Orthodoxe Juden sammeln Quellwasser, um Mazze-Brot zu backen. Bild: AFP

Ihr wäre es lieber, Ramadan und Pessach würden nicht zeitgleich stattfinden: "Es wäre die Hoffnung, dass, weil wir alle hohe Feiertage haben, wir alle gemeinsam feiern. Aber wenn Sie die Wahrheit hören wollen: Das wird nicht passieren. Deshalb ist es für uns nicht gut, dass Pessach und Ramadan gleichzeitig sind. Ramadan bedeutet eine Menge Gewalt, und warum sollte ich das während unserer Feiertage haben wollen?"

Bereits mehrere Tote

In den vergangenen Wochen gab es bei Attentaten in Israel mehrere Tote. Bei Auseinandersetzungen zwischen Armee und Palästinensern im besetzten Westjordanland gab es Tote auf palästinensischer Seite.

Weitere Anschläge verhindern, aber keine weitere Eskalation während des Ramadans provozieren, so schildert der israelische Verteidigungsminister Benny Gantz seine Strategie: "Der Ramadan und die Tage danach sind Festtage für Familien. Das wollen wir den Muslimen im Land ermöglichen. Im Kampf gegen den Terror sollten wir zwischen den Terroristen und der Bevölkerung so gut wie möglich unterscheiden. Dabei haben wir aber natürlich immer die Sicherheitslage im Blick."

Am Mittag ist die Karfreitagsprozession auf der Via Dolorosa der Höhepunkt die Christen in der Altstadt, zeitgleich werden in der Gegenrichtung Muslime Richtung Tempelberg zum Gebet strömen. Am Abend dann das Fastenbrechen der Muslime und der Sederabend zu Beginn des jüdischen Pessachfestes.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell im Hörfunk am 15. April 2022 um 08:35 Uhr.