Das Nationalstadion in Tokio (Japan) und seine benachbarten Sportanlagen | AFP

Kosten der Olympischen Spiele Teuer, teurer, Tokio

Stand: 23.07.2021 04:16 Uhr

Günstig sollten die Olympischen Spiele von Tokio werden - das versprachen die Organisatoren bei der Bewerbung. Davon ist nichts geblieben: Tokio 2020 könnten die bislang teuersten Spiele werden - nicht nur wegen Corona.

Von Julia Linn, ARD-Studio Tokio

Es werden die wohl teuersten Olympischen Spiele, die jemals stattgefunden haben. Dabei hatten die japanischen Organisatoren den Wettlauf um die Olympia-Austragung vor acht Jahren auch mit den ursprünglich vergleichsweise schlanken Kosten für sich entschieden: 7,5 Milliarden US-Dollar hatten sie kalkuliert - mittlerweile rechnen Experten mit Kosten in Höhe von bis zu 30 Milliarden.

Ein Grund für die Kostenexplosion sind die Verlegung der Spiele um ein Jahr und die zusätzlichen Corona-Schutzmaßnahme. Etwa drei bis vier Milliarden US-Dollar der Mehrkosten mache die Verschiebung aus, die Corona-Maßnahmen kosteten eine weitere Miliarde, schätzt die Ökonomin Sayuri Shirai von der Keio Universität in Tokio. Dazu kommen nun mit dem Notstand in der japanischen Hauptstadt und dem damit verbundenen Zuschauerverbot an den meisten Austragungsorten auch noch die Ausfälle bei den Ticketverkäufen.

Kalkulation von Anfang an fragwürdig

Aber die Kosten waren auch schon vor Corona massiv in die Höhe gestiegen - von Anfang an hätten die japanischen Organisatoren das Budget zu niedrig angesetzt, sind sich Wirtschaftsexpertinnen und Experten einig. Die Olympischen Spiele sollten die japanischen Steuerzahler nichts kosten, ein Großteil sollte über private Sponsorengelder finanziert werden, so hatten es die Organisatoren versprochen.

Dass dieses Versprechen gehalten wird, daran zweifelt Franz Waldenberger, Ökonom und Leiter des Deutschen Instituts für Japanstudien in Tokio. Denn die eigentlichen Zusatzkosten der Spiele seien mit der Durchführung der Veranstaltung verbunden - etwa mit besonderen Sicherheitskosten und Verkehrsbeschränkungen. "Da hat man sich wohl erhofft, dass dieses Geld durch mit der Veranstaltung verbundene Einnahmen einigermaßen gedeckt werden könnte", so der Ökonom. Aber ohne Zuschauerinnen und Zuschauer vor Ort könne das nicht gelingen. 

Sponsoren distanzieren sich

Das Image der "Katastophenspiele" lasse sich kaum noch vermeiden, sagt Waldenberger. Sogar große Sponsoren distanzieren sich von den Spielen. Am Montag hatte Automobil-Riese und Olympia-Großsponsor Toyota bekannt gegeben, dass bei der Eröffnungsfeier kein Vertreter des Konzerns anwesend sein wird.

Die Absage begründet der Konzern mit dem Zuschauerverbot - etwa 1000 Offizielle und geladene Gäste, wie etwa Sponsorenvertreter, dürfen die Feier jedoch im Stadion verfolgen. Es gebe es immer weniger Verständnis für die Spiele in der japanischen Öffentlichkeit, und einen positiven Eindruck zu hinterlassen, werde immer schwieriger, so ein Toyota-Sprecher. Am Dienstag zogen weitere japanische Wirtschaftsvertreter nach und kündigten an, der Feier fernzubleiben  - darunter auch Panasonic als großer Sponsor.

Luftansicht des Olympischen Dorfes in Tokio | AFP

Begehrter Wohnraum - und längst verkauft: das Olympische Dorf in Tokio Bild: AFP

Wohnungskäufer fordern Entschädigung

Auch das Olympische Dorf wird zum Kostenfaktor, längst waren dort Wohnungen für die Zeit nach den Spielen verkauft worden. Die Gebäude sollen in luxuriöse Eigentumswohnungen umgebaut werden, 900 waren schon vor der Verschiebung der Spiele vergeben. Nun verzögern sich die Wohnungsübergaben um ein Jahr. Die Käuferinnen und Käufer fühlen sich im Stich gelassen und erwarten teils Entschädigungszahlungen von den Baufirmen, mit denen sie die Verträge abgeschlossen haben. Viele hätten bereits ihre alten Wohnungen verkauft, sagt der Anwalt Hironobu Todoroki. Nun müssten sie zusätzlich Miete zahlen, außerdem sinke der Wert der neuen Wohnungen.

Für die längere Nutzung als Olympisches Dorf hat die Stadt Tokio etwa vier Milliarden Yen, umgerechnet 31 Millionen Euro, zusätzlich Miete an die Baufirmen als Gebäudeeigentümer gezahlt. Die Wohnungskäufer und ihr Anwalt sehen das nicht als legitim an, schließlich hätten sie schon längst für die Wohnungen gezahlt. Etwa zwei Dutzend Käuferinnen und Käufer haben vor Gericht eine Schlichtung beantragt - Ausgang noch offen.

Es profitiert wohl nur das IOC

Am Ende bleibe aus finanzieller Sicht eigentlich nur ein Profiteur der Olympischen Spiele: das Internationale Olympische Komitee (IOC), erklärt Ökonom Waldenberger. Denn auch ohne Zuschauer in den Stadien gebe es hohe Einnahmen durch die Übertragungsrechte. Das finanzielle Nachsehen werden wohl andere haben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Mai 2021 um 19:10 Uhr.