Die beleuchteten Olympischen Ringe vor dem Nachthimmel in Tokio. | AFP

Olympische Spiele in Tokio Cyberattacke auf Olympia "unvermeidlich"?

Stand: 13.07.2021 05:04 Uhr

Was, wenn während der Olympia-Eröffnungszeremonie in Tokio die Lichter ausgehen? Die Angst vor einem erfolgreichen Cyberangriff ist groß - und Experten warnen: Japan wäre gegen Hacker schlecht gewappnet.

Von Torsten Iffland, ARD-Studio Tokio

Dass die Olympischen Sommerspiele in Tokio auch für Hacker interessant sein werden, davon sind Experten überzeugt. Zumal es ein Kinderspiel sein dürfte, Japans IT-Infrastruktur zu knacken, erklärt Toshio Nawa - er ist als Berater für Cyber Security für das Japanische Olympische Komitee tätig: "Eine Cyberattacke während der Spiele wird sich gar nicht vermeiden lassen", meint er. "Meine Sorge ist viel mehr, wie schnell wir es hinkriegen, die Folgen eines solchen Angriffs zu beheben."

Japan sei, was die Cybersicherheit angeht, auf dem Stand eines Entwicklungslandes. Gibt es Hackerangriffe, werden diese schnell unter den Tisch gekehrt. Die Gesetze im Bereich Cyberkriminalität sind teilweise 50 Jahre alt. Es gibt zu wenig Personal, zu wenig Geld und zu wenig Struktur. Das nutzen Geheimdienste autokratischer Nachbarstaaten wie China, Russland oder Nordkorea schon lange aus.

Hilfe aus anderen Staaten nötig?

Der Kampf gegen diesen oft unsichtbaren Gegner wurde in Japan über Jahrzehnte vernachlässigt. Jetzt könnte sich das rächen. "Ich würde am liebsten sagen: Wacht endlich mal auf und guckt, was auf der Welt los ist", sagt Nawa. "Bis zu den Spielen kann man das auch nicht mehr korrigieren. Japan muss auf die Hilfe von anderen westlichen Ländern hoffen, wenn Probleme auftauchen."

In Pyeongchang in Südkorea - beim Angriff während der Eröffnungsfeier der Winterspiele 2018 - dauerte es drei Tage, bis die Systeme wieder rund liefen. Damals legten russische Hacker unter anderem die Internetseite der Veranstalter lahm. Zuschauer konnten beispielsweise keine Tickets mehr ausdrucken.

Angst vor Angriff auf Eröffnungsfeier

Japan, da sind sich die Experten sicher, würde deutlich länger brauchen, um so einen Angriff wieder zu reparieren. Besonders attraktive Ziele für Hacker wären in Tokio die neue Software für das Belüftungssystem und die Klimaanlage im Olympischen Dorf.

Der Blamage-Faktor wäre aber bei einer Attacke während der Eröffnungsfeier am größten: "Der Worst Case wäre, wenn das ganze System gleich nach dem Beginn der Eröffnungsfeier zusammenbricht: kein Ton, kein Licht, kein Internet. Da schaut die ganze Welt zu", sagt Nawa. "Wenn es da eine Hackergruppe schafft, die Veranstaltung lahmzulegen, wird sie zum Helden und zur Ikone in der Szene. Das ist Motivation dieser Leute."

Der große Auftritt für die Menschen im Untergrund, die als Hacker Systeme attackieren - selten wird ihnen die Gelegenheit so einfach gegeben wie während der Olympischen Spiele in Tokio.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Mittagsmagazin am 13. Juli 2021 um 13:00 Uhr.