Menschen schauen in einem Bahnhof auf einen Fernsehbildschirm, auf dem eine Nachrichtensendung über nordkoreanische Raketenstarts gezeigt wird. | dpa

Nach Angaben von Südkorea Nordkorea testet offenbar Interkontinentalrakete

Stand: 25.05.2022 09:25 Uhr

Nordkorea fällt in diesem Jahr durch ungewöhnlich viele Raketentests auf. Nun soll das Regime des politisch isolierten Landes erneut mehrere Geschosse abgefeuert haben - darunter war offenbar auch eine Interkontinentalrakete.

Kurz nach dem Ende des Asien-Besuchs von US-Präsident Joe Biden hat Nordkorea offenbar drei atomwaffenfähige Raketen in Richtung offenes Meer im Osten abgefeuert. Mindestens eine soll offenbar eine Interkontinentalrakete (ICBM) gewesen sein, teilte der Generalstab des Nachbarlandes Südkorea mit. Die verbündeten Streitkräfte Südkoreas und der USA antworteten darauf mit eigenen Stärke-Demonstrationen und schossen den Angaben zufolge Boden-Boden-Raketen ab.

Tests in diesem Jahr ungewöhnlich häufig

Südkorea warf dem weithin isolierten Nordkorea Provokation vor. Auch Japan sprach von einem völlig unzulässigen "Akt der Provokation". Die jüngste Testrunde erfolgte zu einem Zeitpunkt wachsender Unsicherheit in der Region. Es war bereits der 17. Raketentest durch Nordkorea in diesem Jahr. UN-Resolutionen untersagen dem Land die Erprobung von ballistischen Raketen jeglicher Reichweite. Wegen seines Atomwaffenprogramms ist es zudem harten internationalen Sanktionen unterworfen.

Nach südkoreanischen Militärangaben erreichte die mutmaßliche Interkontinentalrakete nach dem Abschuss eine maximale Höhe von 540 Kilometern und flog 360 Kilometer in östlicher Richtung. Die zweite Rakete schaffte demnach offenbar nur 20 Kilometer, während die dritte auf eine Höhe von 60 Kilometern kam und 760 Kilometer weit flog. Sollte sich die Einschätzung des Generalstabs bestätigen, wäre es Nordkoreas erster Start einer Interkontinentalrakete seit rund zwei Monaten.

Das Land hat nach Angaben des südkoreanischen Präsidialamtes zudem offenbar Experimente unternommen, um einen Atomtest vorzubereiten. Dazu habe es vermutlich einen Versuch mit einem Sprengsatz gegeben, sagte der stellvertretende nationale Sicherheitsberater Südkoreas, Kim Tae Hyo, vor der Presse.

Tür für Dialog weiter offen

Bei einem Treffen in Seoul am Wochenende hatten sich Biden und Südkoreas Präsident Yoon Suk Yeol unter anderem darauf verständigt, dass sich ihre Länder wegen der Bedrohung durch Nordkoreas Raketen- und Atomwaffenprogramm über den Ausbau der gemeinsamen Militärmanöver beraten würden. Diese regelmäßigen Manöver der US-Streitkräfte in Südkorea betrachtet Nordkorea allerdings als eine Provokation.

Biden und Yoon betonten bei ihrem Treffen aber auch, dass die Tür zu einem Dialog mit Nordkorea weiter offen sei. Biden schloss auch ein Treffen mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un nicht grundsätzlich aus. Dies würde aber davon abhängen, ob Kim es "ernst" meine, sagte Biden. Die Verhandlungen der USA mit Nordkorea über sein Atomprogramm kommen seit mehr als drei Jahren nicht mehr voran.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 04. Mai 2022 um 06:25 Uhr.