Kim Jong Un und seine Schwester Kim Yo Jong | REUTERS

Nordkorea meldet Sieg über Corona "Ein erstaunliches Wunder"

Stand: 11.08.2022 10:33 Uhr

Nordkorea hat das Coronavirus besiegt - behauptet zumindest die Staatsführung. Sie spricht von einem "erstaunlichen Wunder" - drei Monate nach dem Ausbruch gebe es keine neuen Fälle mehr. Ausländische Experten bezweifeln das.

Drei Monate nach der Bestätigung des ersten Corona-Ausbruchs im Land will Nordkorea das Virus besiegt haben. Machthaber Kim Jong Un habe die Aufhebung aller Maßnahmen zum Schutz gegen die Ausbreitung des Coronavirus angeordnet, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA. Kims Schwester Kim Yo Jong sagte der Agentur, der Machthaber habe selbst unter Fieber gelitten. Es ist das erste Mal, dass Nordkorea eine mögliche Corona-Infektion des Diktators einräumt.

Die Zahl der täglichen Fieberfälle habe in den ersten Tagen des Ausbruchs bei mehreren Hunderttausend gelegen und sei einen Monat später auf unter 90.000 gesunken, sagte Kim Yo Jong laut KCNA. Seit dem 29. Juli sei keine Infektion mehr gemeldet worden, bei der ein Zusammenhang mit "dem bösen Virus" vermutet worden sei. Obwohl keine einzige Impfung verabreicht worden sei, habe das Land in kurzer Zeit das Virus besiegt: "Ein erstaunliches Wunder, das in die Weltgeschichte der öffentlichen Gesundheit eingehen wird."

Experten bezweifeln die Aussagen

Nordkorea hatte im Mai den Ausbruch eingeräumt und seitdem etwa 4,8 Millionen "Fieberfälle" unter den 26 Millionen Einwohnern gemeldet. Nur ein Bruchteil der Erkrankungen wurde als Covid-19 identifiziert. Offiziell spricht das Land von 74 Todesfällen. Experten bezweifeln das: Nordkorea verfügt über eines der schlechtesten Gesundheitssysteme der Welt. Die Krankenhäuser sind mangelhaft ausgestattet und verfügen nur über wenige Intensivstationen. Hilfsangebote, unter anderem aus Südkorea, wurden abgelehnt.

Beobachter gehen davon aus, dass Nordkorea die Zahlen schönte, um Machthaber Kim angesichts wachsender wirtschaftlicher Schwierigkeiten in gutem Licht erscheinen zu lassen. Die Erklärung, das Virus besiegt zu haben, könnte bedeuten, dass Kim sich nun anderen Themen zuwenden will.

Kim Yo Jong | dpa

Kim Yo Jong, die Schwester des Machthabers. Bild: dpa

Kim Yo Jong droht Südkorea mit Vergeltung

Die Aussagen der Schwester Kims, wonach Südkorea mit Flugblättern an Ballons das Virus in den Norden trug, sehen Experten mit Sorge - zumal Kim Yo Jong dem südlichen Nachbarn nun mit Vergeltung drohte. Leif-Eric Easley, Professor für Internationale Studien an der Ewha-Frauenuniversität in Seoul, sagte, so solle möglicherweise eine neuerliche militärische Provokation gerechtfertigt werden. Nordkorea hatte im Juli erstmals behauptet, der Corona-Ausbruch habe mit Menschen begonnen, die mit Gegenständen aus Südkorea in Berührung gekommen seien.

Ausländische Experten vermuten, dass das Virus ins Land geriet, als Nordkorea seine Nordgrenze zu China im Januar kurzzeitig wieder für den Güterverkehr öffnete. Nach einer Militärparade und anderen Großveranstaltungen in Pjöngjang im April habe sich das Virus weiter ausgebreitet.

Mit Informationen von Kathrin Erdmann, ARD-Studio Tokio

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 11. August 2022 um 06:23 Uhr.