Nordkoreas Machthaber Kim auf einer Sitzung des Politbüros | EPA

Corona in Nordkorea "Eine große Katastrophe"

Stand: 14.05.2022 11:18 Uhr

Machthaber Kim spricht von einer Katastrophe: In Nordkorea scheint sich das Coronavirus rapide auszubreiten. 21 weitere Todesfälle wurden gemeldet - ob sie in Zusammenhang mit dem Virus stehen, wurde aber nicht bestätigt.

Lange Zeit meldete Nordkorea keine Corona-Fälle. Nun sorgt ein möglicher massiver Ausbruch für Unruhe. Das abgeschottete Land verzeichnete 21 weitere Todesfälle und mehr als 170.000 Infektionen mit Fieber-Symptomen, wie staatliche Medien berichteten. Sie äußerten sich aber nicht dazu, in wie vielen der Krankheitsfälle eine Infektion mit dem Coronavirus bestätigt wurde. Experten zufolge verfügt Nordkorea nicht über ausreichende Kapazitäten für Massentests.

In einer Dringlichkeitssitzung der regierenden Arbeiterpartei bezeichnete der nordkoreanische Staatschef Kim Jong Un die Ausbreitung von Covid-19 als "große Katastrophe" und als "historischen Umbruch". Er rief zur Einigkeit zwischen Regierung und Volk auf, um den Ausbruch so schnell wie möglich unter Kontrolle zu bringen. "Wenn wir bei der Umsetzung der Seuchenpolitik nicht den Fokus verlieren und auf der Grundlage der Einigkeit von Partei und Volk eine starke Organisationskraft und Kontrolle aufrechterhalten, können wir die Krise überwinden", zitierte die staatliche Nachrichtenagentur KCNA Kim.

524.440 Nordkoreaner mit Fieber

Insgesamt sollen laut KCNA seit Ende April 27 Menschen gestorben sein, allerdings wurde nur bei einem der Opfer offiziell das Coronavirus nachgewiesen. Auf der Parteisitzung sollen Mitarbeiter der Seuchenkontrolle darauf hingewiesen haben, dass die Mehrzahl der Verstorbenen offenbar an einer Überdosierung von Medikamenten "aufgrund mangelnder Kenntnisse über Behandlungsmethoden" gestorben sein, so die Agentur.

KCNA zufolge haben etwa 524.440 Nordkoreaner seit Ende April Anzeichen von Fieber gezeigt. Im Moment seien mehr als 280.000 Menschen deswegen in ärztlicher Behandlung. Angesichts der begrenzten Testmöglichkeiten in Nordkorea stellen die veröffentlichten Zahlen nach Ansicht von Experten offenbar nur einen kleinen Teil der Gesamtinfektionen dar. So weit bekannt, wurde die Bevölkerung in Nordkorea bislang nicht gegen das Coronavirus geimpft.

Laut dem Nordkorea-Experten Cheong Seong-chang vom südkoreanischen Sejong-Institut ist es "nicht übertrieben, all diese Fälle von 'Fieber' als Covid-19-Erkrankungen zu betrachten', da Nordkorea die Testkapazitäten fehlten. Die tatsächlichen Ansteckungszahlen könnten laut Seong-chang wegen vieler asymptomatischer Fälle höher als die gemeldeten "Fieber"-Zahlen sein. Die Zahl der Fälle wachse "sehr schnell". 

Kim will private Medikamentenvorräte spenden

Am Donnerstag hatte Machthaber Kim den Corona-Ausbruch bestätigt und den Notstand ausgerufen. In der Hauptstadt Pjöngjang war laut KCNA eine Untervariante des hochgradig ansteckenden Omikron-Erregers entdeckt worden.

Kim kündigte an, man werde sich in der Corona-Politik am Beispiel Chinas orientieren. Nordkorea sollte "von den Erfahrungen und fruchtbaren Erfolgen" Chinas lernen. Peking verfolgt eine strikte Null-Covid-Strategie, kämpft derzeit allerdings selbst mit Corona-Ausbrüchen in mehreren Provinzen. Kim bot außerdem an, Medikamente aus seinem privaten Depot an Familien in besonderen Notlagen zu spenden.

Die Entwicklung könnte zu einer Krise in dem Land mit seinen rund 26 Millionen Einwohnern führen. Dem verarmten Nordkorea mangelt es an medizinischen Ressourcen. Laut Experten verfügt es über eines der schlechtesten Gesundheitssysteme der Welt. Es besteht die Gefahr, dass der Ausbruch die ohnehin schon schwierige Ernährungslage und die prekäre wirtschaftliche Lage verschärft.

Bisher hat Nordkorea Impfstoff-Angebote von China und der Weltgesundheitsorganisation abgelehnt. Inzwischen haben sowohl die Regierung in Peking als auch Südkorea der Führung in Pjöngjang erneut Impfstoffe angeboten. Die Bekanntgabe des Ausbruchs könnte Beobachtern zufolge ein Hinweis darauf sein, dass die Regierung bald Unterstützung annimmt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. Mai 2022 um 03:00 Uhr.