Kim während seiner Rede | AP

Corona in Nordkorea Kim spricht von "großer Krise"

Stand: 30.06.2021 16:51 Uhr

Bislang hatte die nordkoreanische Führung stets behauptet, es gebe keinen Corona-Fall im Land. Das glaubte international kaum jemand. Nun äußerte sich Machthaber Kim ungewohnt offen - auch wenn er einiges im Vagen ließ.

Im abgeschotteten Nordkorea dürfte das Coronavirus deutlich stärker um sich greifen als bisher bekannt. Darauf deutet eine öffentliche Maßregelung von Spitzenfunktionären durch Machthaber Kim Jong Un hin, der ihnen einen entscheidenden Fehler bei der Virusabwehr vorwarf. Dies habe zu einer "großen Krise" im Land geführt, sagte Kim laut der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA bei einer Sitzung des Politbüros der regierenden Arbeiterpartei.

Welchen Fehler und welche Krise Kim damit genau meint, blieb offen. Es hieß nur, dass die für wichtige Staatsangelegenheiten zuständigen Funktionäre Entscheidungen der Regierungspartei zur Corona-Abwehr nicht umgesetzt hätten. Kim warf ihnen Inkompetenz, unverantwortliches und zu passives Handeln vor, wie es in dem Bericht hieß.

Experte: "Pjöngjang braucht wahrscheinlich Hilfe"

Bisher hatte Nordkoreas Führung behauptet, es gebe überhaupt keine Corona-Fälle im Land. Experten hatten das mit Blick auf die durchlässige Grenze zu China seit Langem angezweifelt.

Die aktuelle KCNA-Meldung "bedeutet im Grunde, dass Nordkorea Fälle bestätigt hat", sagte Ahn Chan Il vom Weltinstitut für Nordkorea-Studien in Seoul der Nachrichtenagentur AFP. "Die Tatsache, dass das Politbüro dies besprochen hat und dass die KCNA darüber berichtet hat, signalisiert, dass Pjöngjang wahrscheinlich internationale Hilfe braucht", fügte er hinzu.

Kim: "Angelegenheit der nationalen Existenz"

Das Gesundheitssystem des verarmten Landes gilt als marode. Entsprechend groß dürften die Probleme sein, falls es dort einen größeren Corona-Ausbruch geben sollte. Den Kampf gegen das Coronavirus hatte die Führung in Pjöngjang als eine "Angelegenheit der nationalen Existenz" bezeichnet und seit Pandemiebeginn entsprechend harte Maßnahmen durchgesetzt. So mussten etwa Diplomaten ausreisen, der grenzüberschreitende Verkehr und Handel wurden massiv eingeschränkt.

Der Lockdown hat die ohnehin von jahrzehntelanger Misswirtschaft und US-Sanktionen gebeutelte Wirtschaft des Landes zusätzlich geschwächt. Erst kürzlich hatte Kim seine Landsleute auf einer mehrtägigen Sitzung des Zentralkomitees der Arbeiterpartei auf eine Verlängerung der Corona-Auflagen eingeschworen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. April 2021 um 13:30 Uhr in der Sendung "Eine Welt".