Auf einem Fernsehbildschirm im Bahnhof von Seoul wird eine Nachrichtensendung mit Filmmaterial über den nordkoreanischen Raketenstart gezeigt.  | dpa

Konflikt mit Südkorea Nordkorea beschießt Pufferzone

Stand: 04.11.2022 11:07 Uhr

Die Regierung in Pjöngjang heizt die Spannungen mit Südkorea an: Dutzende Artilleriegeschosse landeten in der Pufferzone. Bundespräsident Steinmeier forderte bei einem Besuch in Seoul Nordkorea zum Stopp der Tests auf.

Nordkorea hat in der Nacht seine Waffentests fortgesetzt. Dem südkoreanischen Militär zufolge landeten 80 Artilleriegeschosse in der Pufferzone beider Länder. Der Beschuss sei eine "eindeutige Verletzung" des Abkommens, mit dem die Zone 2018 eingerichtet worden war, erklärten die Generalstabschefs Südkoreas.

Die "Provokationen" Pjöngjangs verstießen gegen die "Gebote der Humanität", erklärte eine Sprecherin des südkoreanischen Vereinigungsministeriums. Die Regierung in Seoul verurteile die "andauernden Drohungen", die auf der "rücksichtslosen Atomwaffen- und Raketenentwicklung" Nordkoreas beruhten.

Nord- und Südkorea mobilisieren Kampfflugzeuge

Als Reaktion auf nordkoreanische Luftwaffenmanöver versetzte Südkorea etwa 80 Kampfflugzeuge in Bereitschaft, darunter auch Tarnkappen-Kampfflugzeuge. Wie der südkoreanische Generalstab mitteilte, wurden zuvor etwa 180 nordkoreanische Kampfflugzeuge in verschiedenen Gebieten über nordkoreanischem Territorium und entlang der östlichen und westlichen Küsten gesichtet.

Keines der Flugzeuge habe aber die "taktische Aktionslinie" des südkoreanischen Militärs verletzt, die zu Beobachtungszwecken etwa 20 bis 50 Kilometer nördlich der koreanischen Land- und Seegrenzen ausgewiesen ist.

Atomwaffenfähige Langstreckenrakete getestet?

Nordkorea hatte bereits seit Mittwoch mehr als zwei Dutzend Raketen abgefeuert und damit die Spannungen angeheizt. Darunter war nach Angaben des südkoreanischen Militärs vermutlich auch eine atomwaffenfähige Rakete mit mehreren tausend Kilometern Reichweite. Laut Generalstab kam sie den südkoreanischen Hoheitsgewässern "so nahe wie nie zuvor" eine Rakete seit Ende des Koreakriegs im Jahr 1953.

Heute soll sich der UN-Sicherheitsrat mit Nordkorea befassen. UN-Resolutionen verbieten der selbsterklärten Atommacht die Erprobung von ballistischen Raketen jeglicher Reichweite, die je nach Bauart auch einen Atomsprengkopf tragen können.

USA und Südkorea rechnen mit Atomwaffentest

Die Regierungen in Washington und Seoul warnen seit Monaten davor, dass Nordkorea in naher Zukunft einen Atomwaffentest ausführen könnte. Es wäre der erste solche Test seit 2017.

Anfang September hatte Nordkorea ein Atomwaffengesetz verabschiedet, das das Recht auf einen nuklearen Erstschlag zur Selbstverteidigung vorsieht. Auch der Status als Atommacht wird darin "unumkehrbar" verankert, wie staatliche Medien des Landes berichteten.

Die USA forderten als Reaktion auf die jüngsten Raketentests die internationale Gemeinschaft zur lückenlosen Umsetzung der Sanktionen gegen Pjöngjang auf und verlängerten das gemeinsame Militärmanöver mit Südkorea unter dem Namen "Vigilant Storm" bis Samstag.

Steinmeier fordert Stopp der Waffentests

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verurteilte bei einem Besuch in Seoul Nordkoreas jüngste Raketentests scharf und verlangte ihre Einstellung. Seit Jahresbeginn sei eine beispiellose Testserie zu beobachten, die Raketensalven der vergangenen Tag hätten die Lage noch einmal erheblich verschärft, sagte Steinmeier nach einem Gespräch mit dem südkoreanischen Präsidenten Yoon Suk Yeol. "Ich sage mit aller Deutlichkeit: Diese Eskalation ist inakzeptabel, und allein das Regime in Pjöngjang ist dafür verantwortlich."

Er fordere Nordkorea auf, "ernsthafte Verhandlungen über den Abbau seines nuklearen Raketenprogramms aufzunehmen".

Heute soll sich der UN-Sicherheitsrat in einer Dringlichkeitssitzung mit der Lage auf der koreanischen Halbinsel befassen. Die USA, Frankreich, Großbritannien, Irland, Norwegen und Albanien beantragten ein Treffen des mächtigsten UN-Gremiums.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. November 2022 um 07:00 Uhr.