Eine Frau mit Maske steht in Taipeh vor roten Spruchbannern mit Glückwünschen zum neuen Jahr. | AP

Neues Mondjahr in Taiwan Nach der Quarantäne zum Frisör

Stand: 11.02.2021 20:02 Uhr

Nur halb so viele Menschen sind dieses Jahr aus Festlandchina nach Taiwan gereist, um dort das neue Mondjahr zu feiern. Damit die Corona-Ansteckungen nicht steigen, gelten vor dem Fest klare Auflagen.

Von Kathrin Erdmann, ARD-Studio Tokio

Drei Jahre ist Eddie Wu nicht mehr nach Hause gekommen. Der 35-jährige Werbeproduzent lebt in London. Doch dieses Mal wollte er mit seiner Mutter in Taiwan das Neujahrfest feiern.

Kathrin Erdmann ARD-Studio Tokio

Bevor er die jedoch in die Arme schließen kann, musste er erstmal, wie alle Einreisenden, zwei Wochen in Quarantäne. Weil so viele Unterkünfte schon belegt sind, landete er in einem Marine-Stützpunkt - und wenn er davon berichtet, hört es sich auch ein bisschen wie beim Militär an. Mehrere Durchsagen am Tag gebe es, sagt Wu:

Um 6 Uhr zum Aufstehen, um 7 Uhr zum Temperaturmessen, um 8 zum Müll Rausbringen, um 11 zum Temperaturmessen und zum Mittagessen, um 3 Uhr zum Temperaturmessen, um 5 Uhr zum Abendessen, und um 10 vor 10 zum Schlafengehen.

Täglich um kurz nach neun, erzählt Wu aus seiner Quarantäne, werde der Gang, auf dem er wohnt, desinfiziert. Wenn er die Tür öffnet, blickt er direkt in eine Überwachungskamera. Das findet er unangenehm - und sagt, er fühle sich sehr eingeschränkt:

"Es gibt keine Sonne, wir können nicht rausgehen. Es herrscht eine strenge Atmosphäre. Ich bin zwar für diese Kontrolle, aber die Methoden könnten trotzdem etwas menschlicher sein."

Essen und Trinken in Bus und Zug sind verboten

Insgesamt sind nach Angaben des Epidemie-Kommandozentrums knapp 50.000 Menschen zum Neujahrsfest nach Taiwan gekommen - halb so viele wie vor einem Jahr. Taiwan hat das Coronavirus nach wie vor gut im Griff. Zwar gab es kürzlich in einer Stadt mehrere Infektionen, aber inzwischen hat sich die Situation wieder beruhigt.

"Bitte tragen Sie eine Maske, um sich und mich zu schützen", steht auf einem Schild, dass ein Mann auf dem Dihua-Straßenmarkt in Taipeh hochhält. | AP

"Bitte tragen Sie eine Maske, um sich und mich zu schützen", steht auf einem Schild, dass ein Mann auf dem Dihua-Straßenmarkt in Taipeh hochhält. Bild: AP

Taiwans Gesundheitsminister Chen Shih-chung mahnte Ende Januar dennoch zur Vorsicht: "Sie alle sind heimgekommen, um mit der Familie das Neujahrsfest zu verbringen. Achten Sie beim gemeinsamen Essen aber bitte darauf, gesondertes Besteck zu verwenden und nicht zu eng beieinander zu sitzen, um das Infektionsrisiko zu verringern", appellierte er.

Weil mit dem Neujahrsfest die Frühlingsferien verbunden sind, reisen in diesen Tagen auch viele Taiwaner quer durchs Land. Wer in den Zug oder in den Überlandbus steigt, sollte vorher ausreichend essen und trinken - denn einmal drin ist beides verboten. Die Platzvergabe ist reglementiert.

Nach der Quarantäne erst mal zum Friseur

Eine Kellnerin will sich selbst einschränken. "Ich werde diesmal nicht viele Ausflüge machen", erzählt sie. "Früher sind wir überall rumgereist, aber jetzt eher nicht."

Ein Rentner ist zufrieden mit den Maßnahmen der Regierung und fühlt sich sicher: "Ich habe beim Zug- und Busfahren keine Angst", sagt er. So lange sich alle an die Regeln hielten, sei es prima so. "Ich habe schon Angst, dass Fälle aus dem Ausland eingeschleppt werden könnten", gibt eine Studentin zu bedenken. Sie weiß, dass die Regeln für Einreisende in Taiwan seit langem streng sind.

Werbeproduzent Wu kennt die Sorgen seiner Landsleute. Weil er aus London kommt, muss er sich auch eine Woche nach der Quarantäne noch an Auflagen halten wie: Mundschutz tragen und Ansammlungen meiden.

Der 35-Jährige will sich auf jeden Fall daran halten. Nur eines ist ihm wichtig: "Wenn ich raus bin, geh ich erstmal zum Friseur", sagt er. "Ich will nicht, dass meine Mutter mich so sieht!" Ein Wunsch, den viele Deutsche sicher momentan auch haben.