Ein Covid-19-Patient im Rollstuhl erreicht das Krankenhaus in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu. | AP

Angebliche Corona-Mutation Gibt es die Nepal-Variante?

Stand: 11.06.2021 15:51 Uhr

Eine zweite Corona-Welle hat Nepal hart getroffen. Nun wird von einer angeblichen "Nepal-Variante" des Virus berichtet, weltweit verbreitet von Everest-Bergsteigern. Die Regierung weist diese Berichte empört zurück.

Von Peter Hornung, ARD-Studio Neu-Delhi

Der isländischer Bergsteiger Sigurdur Sveinsson wollte ganz nach oben. "Am 24. Mai hatten wir uns entschieden, auf den Gipfel zu gehen", erzählt er. "Ungefähr um 8.30 Uhr morgens sind wir aufgebrochen." Sigurdur und sein Freund Heimir bestiegen an diesem Tag den Mount Everest, den höchsten Berg der Welt. Er habe schon beim Aufstieg etwas gespürt, aber erst als sie vom Gipfel wieder herabstiegen, sei es ihm schlechter gegangen, sagt Sigurdur.

Peter Hornung ARD-Studio Neu-Delhi

Covid-19 auf dem Mount Everest

Sigurdur hatte Covid-19, wie ein Test später zeigte. "Es hat meine Lungen richtig angegriffen. Deshalb hätte es in dieser Umgebung mit wenig Sauerstoff nicht viel gebraucht, um mein Leben in Gefahr zu bringen", sagt er.

Sigurdur war einer von wohl mehr als hundert Bergsteigerinnen und Bergsteigern, die am Everest an Covid-19 erkrankten. Die nepalesische Tourismusbehörde hat dies zwar bis heute offiziell nicht bestätigt, dennoch gibt es genügend Berichte, die einen Corona-Ausbruch am Everest belegen.

Vermeintliche Virus-Mutation aus Nepal

Ohnehin erlebt Nepal seit Wochen eine schwere zweite Welle der Corona-Pandemie - mit Bildern, die man zuvor schon aus Indien gesehen hatte: überfüllte Krankenhäuser, Schwerkranke, die in Ambulanzen ersticken, weil es an medizinischem Sauerstoff fehlt.

Doch während die Zahl der Neuinfektionen seit Mitte Mai wieder deutlich sinkt, gibt es nun Berichte über eine Nepal-Variante des Coronavirus, die bereits in anderen Ländern aufgetreten sei: in Indien, Japan, den USA - und in Portugal. "Wir sehen jetzt auch in Portugal zunehmend Hinweise auf eine weitere Mutation, die als Nepal-Variante bezeichnet wird", sagt der britische Staatssekretär Robert Jenrik. "Wir wissen noch nicht, wie groß das Problem ist, wie übertragbar sie ist, ob vielleicht unsere Impfstoffe nicht wirksam sind."

Großbritannien erklärt Portugal zum Gefahrengebiet

Großbritannien hat Portugal deshalb vergangene Woche wieder als Gefahrengebiet eingestuft. Bei der Nepal-Variante handele sich um die zuerst in Indien aufgetretene Mutation mit einer zusätzlichen Veränderung namens K417N.

Die Regierung in Kathmandu reagierte empört auf die Bezeichnung Nepal-Variante, die von vielen als stigmatisierend angesehen wird. So eine Variante gebe es gar nicht, erklärte ein Regierungssprecher. Unterstützung bekommt Nepal von der Weltgesundheitsorganisation WHO, die auf Twitter feststellte: "Die WHO kennt keine neue Variante des SARS-CoV2-Virus, die in Nepal gefunden wurde. Die Varianten, die erwiesenermaßen zirkulieren, sind die Alpha-, die Delta- und die Kappa-Variante. Die vorherrschende Variante in Nepal ist die Delta-Variante B.1.617.2."

Nepal kritisiert Berichte über vermeintliche Mutation

Dennoch gibt es weiterhin Berichte über die angebliche Nepal-Variante. Und diese sorgen noch immer für Empörung im Himalaya-Staat. So zitierte die britische Boulevardzeitung "Daily Mail" einen britischen Mikrobiologen, der sagte, es sei "durchaus möglich", dass diese Variante nun von Everest-Heimkehrern weltweit verbreitet werde.

Tatsächlich endete die diesjährige Bergsaison vor wenigen Tagen. 400 Bergsteigerinnen und Bergsteiger haben es dieses Jahr versucht. Geschätzt nur gut die Hälfte von ihnen hat bis ganz nach oben geschafft - weniger als in den Jahren zuvor. Tatsächlich mussten manche ihre Gipfelträume beerdigen, weil sie krank wurden oder Angst hatten, es zu werden.

Der Isländer Sigurdur Sveinsson, der sogar krank auf dem Gipfel war, weiß indes, was für ein Glück er hatte. "Es ist mir sehr bewusst, dass nicht viel hätte schiefgehen dürfen. Das wäre sonst schlecht ausgegangen."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. Mai 2021 um 13:13 Uhr.