Kreml-Kritiker Alexej Nawalny im Flugzeug | AFP

Flugzeug wurde umgeleitet Kreml-Kritiker Nawalny in Moskau gelandet

Stand: 17.01.2021 19:04 Uhr

Putins wohl prominentester Kritiker ist zurück in Russland: Fünf Monate nach seiner Vergiftung landete Alexej Nawalny in Scheremetjewo. Das Flugzeug war kurzfristig umgeleitet worden - Nawalnys Anhänger warteten am Airport Wnukowo. Dort gab es mehrere Festnahmen.

Der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny ist zurück in Russland. Die Maschine der russischen Gesellschaft Pobeda landete am frühen Abend am Flughafen Scheremetjewo in Moskau. Sie sollte eigentlich am Airport Wnukowo landen, war aber kurzfristig umgeleitet worden. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Nawalny und seine Frau Julia Nawalnaja das Flugzeug verlassen und in einem Bus in Richtung Flughafengebäude fahren.

Dort angekommen, wurde Nawalny an der Passkontrolle aufgehalten, seien Frau wurde durchgelassen. Laut seinem Anwalt wurde Nawalny festgenommen.

Nawalny und seine Frau treffen in Moskau ein | AFP

Kurz nach der Landung in Moskau: Nawalny und seine Frau Julia. Bild: AFP

In Wnukowo, dem eigentlichen Zielort, hatten sich bereits zahlreiche Anhänger Nawalnys versammelt. Dort zogen Hundertschaften der Anti-Terror-Polizei OMON sowie mehrere Gefangenentransporter auf. Nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa gab es mehrere Festnahmen, die Einsatzkräfte drängten die Wartenden zurück. Unter den Festgenommenen war demnach auch Nawalnys enge Mitarbeiterin Ljubow Sobol.

Der Oppositionsführer hatte seine Anhänger aufgerufen, ihn auf dem Flughafen zu treffen. Die Moskauer Staatsanwaltschaft hatte vor unerlaubten Kundgebungen auf dem Flughafengelände gewarnt und mit Konsequenzen gedroht.

Nawalny macht Putin für Anschlag verantwortlich

Nawalny hatte sich in Deutschland von einem Anschlag mit dem als Chemiewaffe verbotenen Nervengift Nowitschok erholt. Das Attentat war am 20. August in der sibirischen Stadt Tomsk verübt worden. Nawalny hatte immer wieder den russischen Präsidenten Wladimir Putin und den Inlandsgeheimdienst FSB für den Mordanschlag verantwortlich gemacht. Der Kreml-Chef hatte das stets zurückgewiesen.

Ungeachtet der Gefahr, getötet oder festgenommen zu werden, erklärte Nawalny mehrfach, dass sein Platz in Russland sei und er dort seinen Kampf gegen das "System Putin" fortsetzen wolle.

Nawalny wurde von Berlin aus von mehreren Mitarbeitern begleitet. Sie wurden unter Polizeischutz zum Flugzeug gebracht. In der Maschine saßen zahlreiche Journalisten. Am Flughafen hatten Nawalny zahlreiche Unterstützer "Udatschi!" gewünscht - auf Deutsch: "Erfolg!"

Anwältin: Festnahme würde gegen internationales Recht verstoßen

Die russische Justiz hat Nawalny zur Fahndung ausgeschrieben, weshalb er mit seiner Festnahme rechnen muss. Er soll in einem früheren Strafverfahren gegen Bewährungsauflagen verstoßen haben. Er sagte im Flugzeug, dass er sich vor nichts fürchte. "Was soll mir Schlimmes in Russland passieren?", meinte er.

Die Anwältin Karinna Moskalenko, die Nawalny in der Vergangenheit verteidigt hatte, sagte, dass eine Festnahme gegen internationales Recht verstoßen würde. "Ich hoffe, dass sie nicht ihre eigene Reputation verhaften", sagte die Juristin zum Verhalten des Machtapparats dem Kanal Doschd.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 17. Januar 2021 um 19:00 Uhr.