Der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny vor Gericht (Archivbild) | dpa

Inhaftierter Kreml-Kritiker Nawalny beendet Hungerstreik

Stand: 23.04.2021 15:31 Uhr

Nach rund drei Wochen hat der Kreml-Kritiker Nawalny das Ende seines Hungerstreiks angekündigt. Seine Ärzte hatten darum gebeten. Nawalny dankte allen "guten Menschen" in Russland und der Welt für ihre Unterstützung.

Der inhaftierte Kreml-Kritiker Alexej Nawalny will seinen im Gefängnis begonnenen Hungerstreik beenden. Angesichts "aller Umstände" beginne er damit, aus dem Streik auszusteigen, hieß es in einer Instagram-Mitteilung. Es werde 24 Tage dauern, um schrittweise wieder zu einer normalen Nahrungsaufnahme zu kommen. Er danke den "guten Menschen" in Russland und auf der ganzen Welt für ihre Unterstützung.

Er bestehe allerdings weiter darauf, von einem Vertrauensarzt untersucht zu werden. Er verliere das Gefühl in Teilen seiner Arme und Beine. "Ich will verstehen, was das ist und wie das behandelt werden kann", so Nawalny.

Er hatte zuletzt über Rückenschmerzen, Lähmungserscheinungen in den Gliedmaßen, Fieber und Husten geklagt.

Ärzte warnten Nawalny

Zuvor hatten Ärzte Nawalny dringend empfohlen, wieder Nahrung zu sich zu nehmen. Nawalnys Ärzte hatten am Donnerstag in einem von Medien veröffentlichten Brief an den 44-Jährigen appelliert, seinen Hungerstreik sofort zu beenden. Sollte er weiter nicht essen, würde das seine Gesundheit weiter schädigen und im schlimmsten Fall zum Tode führen, hieß es. Die Ärzte hatten nach eigenen Angaben die Untersuchungsergebnisse ausgewertet.

Vertreter der russischen Justizbehörden erklärten, Nawalny habe im Straflager jede medizinische Hilfe erhalten, die er benötige. Der Politiker gab an, er habe praktisch keine Behandlung erhalten. Deshalb hatte er am 31. März einen Hungerstreik begonnen.

Nach Anschlag in Deutschland behandelt

Der Kremlkritiker war im Februar wegen Verstoßes gegen Bewährungsauflagen einer Verurteilung aus dem Jahr 2014 zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden - ein Urteil, das der Europäische Menschenrechtsgerichtshof als willkürlich und offensichtlich unangemessen bewertete.

Nawalny war im August vergangenen Jahres nach einem Anschlag mit dem Nervengift Nowitschok zur Behandlung nach Deutschland geflogen worden. Seine Unterstützer betonen, dass er sich deshalb nicht bei den Behörden in Russland melden konnte und es den russischen Behörden auch bekannt war, dass er sich in Deutschland aufhält.

Nawalny war im Januar nach Russland zurückgekehrt, kurz danach verhaftet und verurteilt worden.

Wer befahl den Giftanschlag?

Für den Giftanschlag auf ihn machte Nawalny immer wieder den russischen Präsidenten Wladimir Putin und den Inlandsgeheimdienst FSB verantwortlich. Der Kreml weist das zurück.

Der Umgang mit Nawalny ist einer der vielen Gründe, die zu Spannungen in den ohnehin belasteten deutsch-russischen Beziehungen geführt haben.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. April 2021 um 15:00 Uhr.