Explosion in Gaza-Stadt | dpa

Gewalt im Nahen Osten "Wir werden unser Ziel erreichen"

Stand: 14.05.2021 07:52 Uhr

Schwere Explosionen, verletzte Kinder, wieder eine brennende Synagoge: Sowohl im Gazastreifen als auch in Israel ist es zu neuer Gewalt gekommen. Israels Premier Netanyahu kündigte weitere Vergeltungsschläge an.

Von Tim Aßmann, ARD-Studio Tel Aviv

Auf einer Intensivstation des Schifa-Krankenhauses in Gaza-Stadt werden Verletzte der israelischen Angriffe behandelt. Die Bilder der Nachrichtenagentur AP zeigen Kinder mit dicken Verbänden an Gliedmaßen und Oberkörper.

Tim Aßmann ARD-Studio Tel Aviv

"Wir behandeln hier im größten Krankenhaus Gazas überwiegend Schwerverletzte, darunter Frauen, Kinder, alte Menschen - alle Altersgruppen", sagt Mohammad Abu Selmia, der Direktor der Klinik. "Es sind viele Schrapnell-Wunden. Wir mussten auch bei Kindern Amputationen von Armen oder Beinen vornehmen." Dann berichtet der Arzt von der schwierigen Situation des Krankenhauses: Die in Gaza ohnehin schon häufigen Stromausfälle würden in Folge der Kämpfe zunehmen. Der Klinik fehle es an Treibstoff für ihre Generatoren sowie an Medikamenten und anderer Ausrüstung.

"Wir schützen unsere Bürger"

In der Nacht meldeten die Gesundheitsbehörden im Gazastreifen 119 Tote seit Beginn der Kämpfe am Montag und mehr als 600 Verletzte. Die Angriffe der israelischen Armee richten sich gegen die Hamas und andere bewaffnete palästinensische Gruppen, treffen im dicht besiedelten Gazastreifen aber häufig auch Zivilisten.

Israel will die Angriffe fortsetzen. Regierungschef Benjamin Netanyahu sprach von großer Intensität und erklärte, das letzte Wort sei noch nicht gesprochen. Beim Besuch einer Stellung des Luftabwehrsystems "Eiserne Kuppel", das in den vergangenen Tagen sehr viele Raketen aus Gaza abgeschossen hatte, sagte Netanyahu: "Die Armee hat jetzt schon Hunderte Ziele angegriffen. Bald werden es mehr als 1000 sein. Wir treffen die Hamas weiter und schützen unsere Bürger. Es wird dauern, aber mit großer Entschlossenheit, mit Abwehr und Offensive werden wir unser Ziel erreichen - Ruhe für Israel."

"Macht mit voller Kraft weiter!"

Die israelische Armee hat mittlerweile rund 14.000 Reservisten mobilisiert und Truppen entlang der Gaza-Grenze zusammengezogen. Der Einmarsch von Bodentruppen, der irrtümlich von der Armee bereits gemeldet wurde, steht aber offenbar nicht unmittelbar bevor. Israel will sein militärisches Ziel - eine wesentliche Schwächung der Hamas und anderer Gruppen - mit so wenig eigenen Verlusten wie möglich erreichen.

"Ich denke wirklich, dass ein paar Tage ausreichen können", sagte General Nimrod Aloni, der im Grenzgebiet stationierte Division kommandiert. "Aber ich glaube nicht, dass sich die Frage darum drehen sollte, sondern darum, wie viel Schaden wir der Hamas zufügen können. Ich habe von der militärischen und der politischen Führung die Anweisung erhalten: Macht mit voller Kraft weiter! Ihr habt absolute Unterstützung und bekommt alles, was ihr braucht, um der Hamas weiter zuzusetzen."

Erneut brennt eine Synagoge

In der Nacht flogen wieder Raketen auf zahlreiche israelische Orte. Besonders betroffen war erneut die Grenzregion zum Gazastreifen. Die israelische Armee rief alle Einwohner im Umkreis von vier Kilometern von der Grenze dazu auf, in Schutzräume zu gehen und dort zu bleiben.

In der Küstenstadt Aschkelon wurde ein Haus direkt von einer Rakete getroffen und ein Mann dabei schwer verletzt. In einem anderen Ort in Süd-Israel stürzte eine 87-Jährige auf dem Weg in einen Schutzraum und verletzte sich dabei tödlich. Die Zahl der israelischen Todesopfer lag in der Nacht bei acht. Hunderte wurden verletzt.

Unterdessen kam es in vielen Städten Israels erneut zu schweren Zusammenstößen zwischen arabischen Einwohnern und Sicherheitskräften. In der Stadt Lod brannte erneut eine Synagoge. Es wurden auch wieder Übergriffe von jüdischen auf arabische Israelis und umgekehrt gemeldet.

Tunnelsystem angegriffen - Israels Militär zur nächtlichen Operation

Das israelische Militär hat Details zu seiner Verschärfung der Angriffe im Gaza-Konflikt genannt. Wie ein Sprecher sagte, starteten in der Nacht 160 "Luftfahrzeuge" von zwölf Geschwadern. Ihr Einsatz dauerte demnach rund 40 Minuten. Kein israelischer Soldat habe den Gazastreifen betreten.

Ziel des komplexen Angriffs sei ein Tunnelsystem der Hamas in dem Küstengebiet gewesen. Es werde "Metro" genannt. Dabei handele es sich um eine Art "Stadt unter der Stadt". Die Hamas habe Jahre in den Bau des Tunnelsystems investiert. Der Grad der Zerstörung sei noch unklar.

Der Armeesprecher sagte außerdem, militante Palästinenser hätten bislang 1800 Raketen auf Israel abgefeuert. Rund 430 davon seien noch im Gazastreifen niedergegangen. Die Erfolgsquote des Abfangsystems "Eiserne Kuppel" hatte das Militär zuletzt im Schnitt mit rund 90 Prozent angegeben.

Über dieses Thema berichtete das ARD Morgenmagazin am 14. Mai 2021 um 06:41 Uhr und 07:10 Uhr.

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Moderation 14.05.2021 • 17:47 Uhr

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