Explosionen in Gaza-Stadt nach Angriffen Israels. | AFP

Erstmals seit der Waffenruhe Israel beschießt Einrichtungen der Hamas

Stand: 16.06.2021 11:12 Uhr

Israel hat erstmals seit Beginn der Waffenruhe Ziele der Hamas beschossen. Zuvor hatten militante Palästinenser vor einem nationalistischen Flaggenmarsch in Jerusalem Brandballons gestartet.

Von Benjamin Hammer, ARD-Studio Tel Aviv

Gegen 1.00 Uhr morgens berichteten erste Bewohner des Gazastreifens von Detonationen. Später kam dann die Bestätigung der israelischen Armee: Die Luftwaffe habe Militäreinrichtungen der Hamas im Norden und im Süden des Gazastreifens angegriffen.

Benjamin Hammer ARD-Studio Tel Aviv

Keine Berichte über Verletzte

Bislang gibt es keine Berichte über Verletzte. Das könnte bedeuten, dass die Armee zunächst Einrichtungen angriff, von denen sie wusste, dass sie menschenleer sind. Die Waffenruhe zwischen der Hamas und Israel wurde nun aber erstmals seit der kriegerischen Auseinandersetzung im Mai gebrochen.

Israel begründete die Angriffe mit Bränden, die militante Palästinenser am Tag zuvor mit Luftballons mit Brandsätzen ausgelöst hatten. Die Armee hatte schon vor Wochen angekündigt, auch auf diese Form der Angriffe mit Härte reagieren zu wollen.

Zusammenstöße am Damaskus-Tor

Zuvor war es zu einem Moment gekommen, der Menschen auf beiden Seiten dieses Konfliktes schockierte: Israelische Nationalisten und Extremisten, die meisten von ihnen Jugendliche, standen vor dem Damaskus-Tor in Ost-Jerusalem und skandierten "Tod den Arabern!"

Die israelische Grenzpolizei, die Tausende Polizisten einsetzte, schritt in diesem Moment nicht ein. Sie hatte schon am Nachmittag viele Palästinenser aus der unmittelbaren Gegend vor dem Damaskus-Tor vertrieben, um Eskalationen zu vermeiden.

Es kam dennoch zu Zusammenstößen, bei denen nach Angaben von Rettungskräften mehr als 30 Palästinenser verletzt wurden.

Flaggenmarsch durch muslimisches Viertel geplant

Der sogenannte Flaggenmarsch war von nationalistischen und in Teilen rechtsextremen jüdischen Gruppen organisiert worden. Die wollten eigentlich durch das Damaskus-Tor und das muslimische Viertel der Altstadt marschieren. Die Polizei hatte die Route des Marsches aber im Vorfeld geändert.

Israels neuer Außenminister Yair Lapid meldete sich auf Twitter und nannte die Israelis, die Tod den Arabern riefen, eine Schande.

Die Hamas im Gazastreifen hatte wegen des Marsches bereits mit Konsequenzen gedroht. Die israelische Armee verstärkte daraufhin das Raketenabwehrsystem, zeitweise wurde der Luftverkehr in Richtung Norden umgeleitet.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 16. Juni 2021 um 11:00 Uhr.