Demonstranten mit Transparent und Fahnen am "Globalen Tag der Frühlingsrevolution in Myanmar" in Kyaukme in Myanmars Shan-Staat. | AFP

Proteste in Myanmar Fünf Tote und viele Verletzte

Stand: 02.05.2021 13:27 Uhr

Die Sicherheitskräfte in Myanmar gehen weiter mit Härte gegen die Proteste vor. Laut Medienberichten wurden fünf Menschen getötet. In Yangon sollen es regelrechte Jagden auf Demonstranten gegeben haben.

In Myanmar sind bei Protesten gegen die Militärregierung Medienberichten zufolge mindestens fünf Demonstranten getötet worden. In der Innenstadt von Wetlet seien zwei Menschen von Sicherheitskräften erschossen worden, meldete die Nachrichtenagentur Myanmar Now. Zwei weitere Personen wurden anderen Medien zufolge im Bundesstaat Shan im Nordosten getötet.

Eine weitere Person sei in der Stadt Hpakant, die für ihre Jade-Minen bekannt ist, ums Leben gekommen. Mindestens 20 Menschen seien teils schwer verletzt worden.

Tausende Menschen gingen heute wieder landesweit auf die Straßen, um gegen den Putsch vor drei Monaten und für die Rückkehr zur Demokratie zu demonstrieren. Überwiegend jugendliche Demonstranten hatten zur "Frühlingsrevolution" aufgerufen.

Explosionen in Yangon

In der Wirtschaftsmetropole Yangon kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen den Sicherheitskräften und Demonstranten, die sich zu Tausenden versammelt hatten. "Es gibt viele Proteste, und die Kräfte der Junta haben versucht, sie niederzuschlagen", sagte ein Demonstrant der Nachrichtenagentur dpa.

Laut örtlichen Medienberichten jagten Sicherheitskräfte die Menschen durch die Straßen und nahmen viele von ihnen fest. In der Stadt waren zudem am Morgen mehrere Explosionen zu hören. Die Behörden machen für die immer häufiger zu hörenden Explosionen "Aufrührer" verantwortlich.

Auch in der zweitgrößten Stadt Mandalay forderten Demonstranten Freiheit und Gerechtigkeit. In etlichen Städten führten buddhistische Mönche die Kundgebungen an.

Offenbar fast 760 Tote

Das Militär hatte am 1. Februar mit einem Putsch die Macht an sich gerissen. Die Junta setzte die De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi ab und stellte sie vor Gericht, obwohl ihre Partei Nationale Liga für Demokratie (NLD) die Wahlen zuvor haushoch gewonnen hatte.

Seither kommt es immer wieder zu Protesten, obwohl Militär und Polizei zum Teil mit brutaler Gewalt vorgehen. Die Hilfsorganisation für politische Gefangene AAPP schätzt, dass mindestens 759 Menschen getötet wurden, mehr als 4500 seien in Haft.

Nach Angaben der Vereinten Nationen verschlechtert sich die Lage für viele Bewohner zusehends. 20.000 Menschen seien vertrieben worden. Armut und Covid-19 breiteten sich aus - etwa 3,4 Millionen Menschen könnten unter Hunger leiden.

"Schwierigkeiten, die Macht zu festigen"

Die Proteste sind nicht das einzige Problem der Militärregierung unter General Min Aung Hlaing. Die Streiks der Bewegung des zivilen Ungehorsams lähmen Wirtschaft und Verwaltung. Zudem verschärfen sich die seit Langem schwelenden Konflikte mit ethnischen Minderheiten in den abgelegenen Grenzregionen im Norden und Osten.

Ihre Milizen unterstützen die Protestbewegung und kämpfen zugleich für mehr Autonomie. "Diese starke Einheit hat dem Militär unerwartete Schwierigkeiten bereitet, die Macht zu festigen", sagte die UN-Sondergesandte für Myanmar, Christine Schraner Burgener.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 02. Mai 2021 um 13:02 Uhr.